Hunsruckzeitung.jpg (25695 Byte)


 

AUSSICHTSTÜRME AUF DEM HUNSRÜCK

 Nr. Lage
 Name  Höhe  Höhenlage
1. Binger Wald
2. Soonwald
3. Soonwald
4. Soonwald
5. Lützelsoon
6. Idarwald
7. Idarwald
8. Hochwald
9. Sargenroth
10. Macken
Salzkopf
Hochsteinchen
Alteburg
Koppenstein
Teufelsfels
Idarkopf
Wildenburg
Erbeskopf
Bismarckturm
Otto-Andreas-Turm
24 m
18m
20 m
17 m
12 m
28 m
22 m
11 m
17 m
6 m
628 m
648 m
621 m
551 m
568 m
746 m
676 m
816 m
436 m
396 m

Türme haben bei den Menschen von früheren Zeiten her eine besondere Bedeutung.
Sie hatten die verschiedensten Funktionen, und ihre Zahl ist kaum zu erfassen. Genannt seien die Bergfriede der Burgen, Wehrtürme rund um Inseln, Türme in Stadtmauern, Wohntürme, Kirchtürme, Minaretts und Leuchttürme. Was sind Wolkenkratzer anders als moderne Wohntürme? Schließlich sei auf die Gedenktürme für Kaiser und Könige und auf die in nationaler Begeisterung für den ehemaligen Reichskanzler Bismarck errichteten Türme hingewiesen.
Viele der hier aufgezählten Türme sind heute zu Aussichtstürmen umfunktioniert und sind gern besuchte Wanderziele, von denen man nach mühsamem Aufstieg herrliche Rundblicke auf das umliegende Land, auf Dörfer und Städte, Felder, Wiesen und Wälder genießen kann. Der Hunsrück hat eine Reihe solcher Aussichtspunkte mit Türmen.
Aussichtsturm Salzkopf
Von Daxweiler windet sich eine gut geteerte Kreisstraße zum Wanderparkplatz neben dem Gasthaus ,,Lauschhütte" im Binger Wald. Von dort weisen Schilder zu dem 628 m über NN gelegenen Salzkopf, den man auf bequemen Waldwegen in ca. 20 Minuten erreicht. Auf einer Waldlichtung erhebt sich ein 24 m hoher, über 97 Stufen zu besteigender Holzturm, von dem man nach Norden eine wunderschöne Fernsicht ins Rheintal bei Bacharach, nach Westen eine solche über das Waldmeer des Großen Soonwaldes und nach Osten bis zum Taunus genießen kann, man muß anfügen konnte, denn nach Presseberichten ist der Turm augenblicklich wegen Schäden gesperrt. - Am Fuß des Turmes steht eine Hütte, an der auf einer Tafel wissenswerte Daten über den Bau zu lesen sind. Am 1. Mai 1975 fand die Einweihung an einem ,,der schönsten Punkte im Bingerwald" statt, ein Wald, der als Schenkung Kaiser Ottos 1. (936 - 973) an das Mainzer Erzstift gekommen war. Heute ist hier ein hervorragendes Wandergebiet.
Der Hochsteinchenturm
Hochsteinchen ist der Name für ein Felsgebilde aus Quarzitsteinen in 648 m Höhe im Soonwald über Rheinböllen. In der Nähe steht auf freier Fläche ein 18 m hoher Eisenturm. Über eine 90 Stufen umfassende Treppe gelangt man zu einer Plattform, von wo man die Aussicht über den Kanderich nach Osten zu den Taunusbergen und nach Südwesten zur Alteburghöhe hat. Zu Füßen liegt der Ort Rheinböllen. Hier hatte sich 1886 ein ,,Hochsteinchenclub" gebildet, der die Umgebung für Wanderungen erschließen und auf der Höhe einen Aussichtsturm errichten wollte. Am 2. Oktober 1893 geschah die Grundsteinlegung und am 14. Mai 1894 konnte der von einer Firma aus dem Siegerland konstruierte Eisenturm eingeweiht werden. 1892 war der Hochsteinchenclub dem Mosel-Hochwald-Hunsrückverein beigetreten, dem man 1898 den Turm übertrug.
Die Alteburg im Soonwald
In 621 m Höhe steht auf dem mittleren Soonwaldzug der Turm der Alteburg. Man erreicht sie von einem Wanderparkplatz an der Einmündung des Rennweges (Höhenweg über den Großen Soonwald) auf die Landstraße Gemünden- Bad Kreuznach. Nach einem Aufstieg von 20 Minuten steht man vor einem 20 m hohen aus Betonsteinmauerwerk errichteten Rundturm. Von der über eine Wendeltreppe zu erreichenden Plattform wird man von einem herrlichen Rundblick über die Waldgebiete bis hin zu den Eifelbergen im Westen und bis zum Donnersberg nach Süden belohnt. - Es sei hier vermerkt, daß sich der Name nicht auf eine ehemalige Ritterburg bezieht, sondern auf eine am Fuße des Turmes gelegene Vierwallanlage (70 m im Quadrat) mit einer knapp 1 m hohen verstürzten Mauer, die an der Basis bis zu 6 m breit ist. Eine zeitliche Datierung war bisher nicht möglich. Vermutlich ist es eine der frühgeschichtlichen Wallanlagen, die sich vom Hochwald über den Idarwald bis zum Soonwald hinziehen. Der Turm wurde 1890 von dem damaligen ,,Soonwaldclub" gebaut und ging später in den Besitz des Mosel-Hochwald- Hunsrückvereins über.
Der Koppenstein
Von Gemünden führt ein Wanderweg in 3/4 Stunden durch schattigen Laub-und Nadelwald zu dem in 551 m Höhe gelegenen Koppenstein, Bergfried einer ehemaligen Sponheimer Gipfelburg. Vom Wanderparkplatz an der Straße Gemünden-Henau erreicht man die Ruine in einer knappen Viertelstunde. Kurz vor Überschreiten des recht tiefen Wallgrabens, der früher mit einer Zugbrücke überspannt war, erkennt man zur Rechten die Mauern einer Zwingeranlage. Vorbei an dem ehemaligen Brunnen, einer Blockhütte, die vom Hunsrückverein errichtet wurde, erreicht man über Steinstufen einen mit Geländer gesicherten Aussichtsfelsen, bei dem jedoch inzwischen hochgewachsene Bäume die Aussicht versperren. Um so schöner ist sie, wenn man die über 6 Etappen zu je 9 Stufen konstruierte Eisentreppe im engen Innern emporklettert. Die sich dort bietende Fernsicht in alle Himmelsrichtungen wird man so schnell nicht vergessen, insbesondere auf den im Tal liegenden Flecken Gemünden mit seinem viertürmigen Schloß und über die Hunsrückhochfläche bis Kirchberg. Schon im vergangenen Jahrhundert schrieb Prof. Simrock in seinem Buch: ,,Das romantische Rheinland": ,,Gewiß der Reisende wird sich ungern von dieser erhabenen Stelle trennen, wenn nicht scharfe Nordwinde Nebelwolken über den Hochwald treiben oder die untergehende Sonne den dreigipfeligen Idarwald vergoldet" und der Hunsrücker Liederdichter Röhrig schrieb: ,,Koppenstein, du ragst ins Hunsrücker Land hinein, ein Zeuge alter und schöner Zeit".
Der Aussichtsturm Teufelsfels
Früher führte eine Eisenleiter auf den sagenhaften Quarzithärtling auf dem Lützelsoon über dem Dorf Schneppenbach, der von den Leuten ,,De dick Steen" genannt wird und wo Jesus vom Teufel versucht worden sein soll, indem er ihm von der Höhe ,,alle Herrlichkeiten der Welt" zeigte. Damals allerdings gab es die rund 40 Ortschaften noch nicht, die man von hier aus sehen soll. Im Hochwald-Hunsrück-Führer wird die prächtige Aussicht gepriesen. Auf einem Bauamt jedoch stellte man eines Tages das Angeschlagensein des Felsens fest, und die Eisenleiter wurde entfernt. Damit war es mit dem Blick auf die ,,Herrlichkeiten" vorbei, bis sich dann eines Tages die unmittelbar an den Teufelsfels angrenzende Gemeinde Hennweiler entschloß, mit ABM-Geldern den 13 m hohen und mit 54 Stufen versehenen Steinturm zu errichten und die lohnenswerte Fernsicht wiederum zu ermöglichen.
Die Wildenburg
Seit 1981 reckt sich auf einem weißen Quarzitfelsen des Wildenburgrückens ein schlanker Turm, versehen mit einem überdachten Rundgang, wie ihn einmal die mittelalterliche Wildenburg, von den Wildgrafen der Kyrburg bei Kirn errichtet, getragen haben mag. Eine bequeme Teerstraße führt von Kempfeld auf einen Großparkplatz am Fuße der Burg. Hier ist in den 70er Jahren eine neue Heimstatt für den Hunsrückverein und ein touristischer Mittelpunkt für das Birkenfelder Land entstanden.
In 676 m Meereshöhe klettert man mit 80 Stufen auf den 22 m hohen Turm und blickt von dort auf einen 42 ha umfassenden Wildpark, auf die silberglänzende Wasserfläche der Steinbachtalsperre, zum Idar- und Hochwald und nach Süden über das Nahetal bis hin zum Donnersberg in der Pfalz.
Die Wildenburg mit dem Gastwirtschaftsbetrieb wurde vom Hunsrückverein im Februar 1963 als Ersatz für den auf dem Erbeskopf verlorenen, von den Amerikanern gesprengten, Kaiser-Wilhelm-Turm erworben. Hier treffen sich die Ortsgruppen des Hunsrückvereins jährlich zu einer Sternwanderung. Sehenswert sind die Gipfelquarzite, der Halsgraben der ehemaligen Burg, die Reste der frühgeschichtlichen keltischen Ringwallanlage mit einem rekonstruierten keltischen Mauerstück.
Aussichtsturm Idarkopf
Seit 1980 erhebt sich auf dem Idarkopf ein beachtlich hoher hölzerner Aussichtsturm. Man erreicht ihn vom Parkplatz auf dem Kamm des Idarwaldes an der Straße Stipshausen-Hochscheid auf einer bequemen Teerstraße oder vom tiefer gelegenen für den Wintersport vorgesehenen Parkplatz über einen ansteigenden Waldweg. Der 28,5 m hohe dreiseitige Holzturm steht allerdings 2 m tiefer als der 746 m über NN liegende Idarkopf. Man muß 150 Stufen bewältigen, ehe man die Plattform erreicht. Von hier genießt man den bereits 1866 von Ph. Wirtgen in seinem Büchlein ,,Aus dem Hochwald" beschriebenen Rundblick: ,,Das größte und schönste Panorama aber erschließt sich vom Idarkopf aus, von dem der ganze östliche Hunsrück mit all seinen Höhenzügen und Ortschaften wie eine Landkarte ausgebreitet liegt und wo der Blick sich endlich auf den fernen Taunus verliert". Kaum bekannt ist, daß bereits 1909 die Ortsgruppe Rhaunen des Mosel-Hochwald-Hunsrückvereins durch gute Beziehungen eines Oberförsters einen Vorläuferturm mit einer Holzsprossenleiter im Rahmen einer militärischen Übung als Artilleriebeobachtungsstand erhalten hatte. Irgendwann wurde er zerstört. Der historisch Interessierte findet am Nordhang des Berges die spärlichen Reste eines römischen Quellheiligtums, wo man die Göttin Sirona verehrte und auf dem Südhang die Stelle eines heidnischen Quellheiligtums, das seine Fortsetzung in einer späteren christlichen Kirche ,,Zum heiligen Geist" fand.
Der Erbeskopfturm
Von der Bundesstraße 422 (Idar-Oberstein-Allenbach-Thalfang) zweigt knapp 1 km hinter der Kreuzung mit der B 269 eine breite ausgebaute Straße zum Erbeskopf ab. Nach 1,2 km erreicht man einen Wanderparkplatz, von wo aus der Weg, zuerst weiter über die Teerstraße, danach auf einem Wanderweg und zuletzt über einen steilen Treppensteig zum 816 m ü. NN liegenden Erbeskopf, dem höchsten Berg von Rheinland-Pfalz, führt. Der 11 m hohe hölzerne Aussichtsturm steht dort klein und bescheiden, umringt vom Sperrzaun militärischer Anlagen der Amerikaner. Diese hatten bereits 1948/49 den Wald auf der Höhe abgeholzt und in einen Sperrbezirk eine Radarstation mit Truppenunterkünften gebaut. Waldeinsamkeit und Stille werden nun gestört vom Motorengeräusch der Aggregate, die eine Radarstation mit ihren überdimensionalen Schirmen speisen.
An dieser Stelle erhob sich einst der am 8. September 1901 eingeweihte und vom Mosel-Hochwald-Hunsrückverein errichtete 23 m hohe Steinturm, dem man den Namen des damaligen Herrschers ,,Kaiser Wilhelm" gegeben hatte. 60 Jahre später mußte er militärischen Ansprüchen weichen und stürzte unter einer Sprengladung zusammen. Der Hunsrückverein wurde entschädigt und kaufte mit dem Geld die Wildenburg. Der Ersatzturm, eine Holzkonstruktion von 6 m im Quadrat, hat 3 Plattformen. Die oberste überdachte Aussichtsterrasse erreicht man über 523 Stufen. Auf Metalltafeln, die ringsum auf der Holzbrüstung angebracht sind, erfährt man Richtung und Entfernung von Orten und Landschaftspunkten.
Der Bismarckturm
Von den zahlreichen Bismarcktürmen, die um die Jahrhundertwende nach einem Aufruf der Deutschen Studentenschaft ,,auf allen Höhen der Heimat errichtet werden sollten, graniterne Feuerträger, einfach und prunklos", steht einer bei Sargenroth neben der Landesstraße Simmern-Gemünden. Es ist eine Stelle, von der Prof. Sim-rock im vergangenen Jahrhundert beim Besuch der nahegelegenen Nun-kirche und des Nunkircher Marktes sagte, daß sich ,,hier landschaftliche Schönheit und historische Vergangenheit glücklich vereinigen". Dabei meinte er die herrliche Fernsicht über die Hunsrückhochfläche, die Kulisse der dunklen Wälder vom Soon und Idar und das hier vor Jahrhunderten an der alten Wallfahrts-kirche abgehaltene Hundgedinge des Klosters Ravengiersburg.
Am 25. Oktober 1899 entschied man sich zum ,,Bau eines Ehrenmals der Foto: G. Schellack Dankbarkeit und Treue", und nach - zahlreichen anderen Vorschlägen wählte man den Platz an der Nunkirche. ,,Hier sei eine historische Stätte, und es könnten Festversammlungen und Volksspiele stattfinden".
Der erste Spatenstich erfolgte am 14. Mai 1900, die Einweihung fand am 31. August 1902 in Gegenwart von Tausenden von Menschen statt. Böllerschüsse, Grußtelegramme an den Kaiser und den Sohn Bismarcks und glühende vaterländische Festreden bestimmten dieses Fest, wie es der Hunsrück bis dahin noch nicht erlebt hatte. Zwischen Bismarckturm und Nunkir-che trafen sich nun alljährlich die Menschen einmal zum nationalen Fest der Sedansfeier am 2. September und den damit verbundenen Turnspielen, zum anderen auf dem sich daran anschließenden Nunkircher Markt und seit 1921 zum Gaubergfest der Hunsrücker Turnerschaft. Der Plattform des Turmes, von der man die bereits beschriebene Fernsicht genießen kann, ist über eine Eisentreppe erreichbar.
Otto-Andreas-Aussichtsturm
Etwa 1 km vor Macken, an der Straße Kastellaun-Burgen, weist links ein Schild zu dem in 396 m Höhe gelegenen knapp 6 m hohen hölzernen Aussichtsturm hin. Im Verhältnis zu anderen Aussichtspunkten erscheint er niedig, trotzdem aber ist die Aussicht durch seine Lage im freien Feld überwältigend. Der Blick geht über die von Bachtälern zerfurchte Hochfläche des Moselhunsrücks und reicht nach Norden bis weit ins Maifeld jenseits der Mosel hinein. Nach Aussagen des Ortsbürgermeisters sollen bei klarem Wetter bis zu 70 Orte und Siedlungen im Sichtbereich liegen. Der Turm entstand 1973 auf Anregung des damaligen Pfarrstelleninhabers, Pastor Otto-Andreas.
Anmerkungen:
Der Text ist eine gekürzte Wiedergabe von einem Aufsatz in den Hunsrücker Heimatblättern Nr. 63, Juni 1985, S. 94 - 107 vom gleichen Autor. Dort befinden sich auch alle Literaturangaben und die Namen der Personen, die mündliche Informationen gaben. Die Höhenangaben der einzelnen Aussichtspunkte können je nach Kartenangabe und Hinweisschildern um einige Meter differieren.
Gustav Schellack
Bahnhofstraße 2
55490 MENGERSCHIED

zurück