Von der Einführung des Christentums.

1. Wie das Christentum in Deutschland bekannt wurde.
Im Jahre 313 wurde durch den römischen Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhoben. Unter den römischen Soldaten und Siedlern des Hunsrücks werden in der Folgezeit auch manche Christen gewesen sein, die möglicherweise kleine Gemeinden gebildet haben. Diese kleinen Gründungen aber waren von kurzer Dauer. Die heidnischen Franken, welche die Römerherrschaft zertrümmerten, vernichteten auch die letzten spärlichen Reste des Christentums. Das Heidentum hielt wieder seinen Einzug. Erst als aus den benachbarten Flußtälern, wo eifrige Glaubensboten schon frühzeitig das Evangelium gepredigt hatten, Einwanderer in unsere Gegend heraufzogen, faßte die christliche Lehre aufs neue Wurzel. Aus verschiedenen Ortsnamen läßt sich schließen, daß zur Zeit der Karolinger das Christentum auf dem Hunsrück verbreitet war. So kommt der Name Michelbach bereits in einer Urkunde von 847 vor. Nun ist aber der Name Michel kein germanischer, sondern ein biblischer Name. Man kann wohl annehmen, daß der Michel, nach dessen Namen der Hof Michelbach benannt wurde, schon ein Christ gewesen ist. Wann und wie jedoch die ersten Kirchspiele sich auf dem Hunsrück gebildet haben und wie groß ihr ursprünglicher Umfang war, ist nicht bekannt.

2. Die Glaubensboten.
Die Heiligen Lubentius und Kastor.
Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus war in der Stadt Trier das Christentum verbreitet. Als durch Kaiser Konstantin das Christentum frei wurde, entwickelte es sich in Trier, wie auch in den Städten am Rhein zu großer Blüte. Dazu trugen in Trier besonders die großen Bischöfe Agritius, Mariminus und Paulinus bei. Von Trier aus wurde das Christentum auch in der Umgegend verbreitet. Besonders unter den genannten Bischöfen des 4. Jahrhunderts gingen fromme Glaubensboten moselabwärts, um den Heiden das Evangelium zu predigen. Die ersten dieser Glaubensboten waren der heilige Kastor und der heilige Lubentius. Der letztere wirkte zuerst in Kobern an der Mosel, wo er noch heute als Kirchenpatron verehrt wird. Eine Furt in der Mosel, die unterhalb des Ortes zu dem schräg gegenüber liegenden Dieblich führt, heißt bis heute Lubentiuspfad, und ein Brunnen in der Nähe führt den Namen Lubentiusbrunnen. Die Eltern in Kobern, Dieblich und Umgegend geben ihren Knaben häufig den Namen des heiligen Lubentius. Von Kobern ging der Heilige später in das obere Lahntal. Er war der erste christliche Missionar, der im rechtsrheinischen Deutschland schon lange vor dem heiligen Bonifatius das Christentum verbreitete. Gleichzeitig mit dem heiligen Lubentius wirkte an der unteren Mosel der heilige Kastor. Er war in Gallien geboren. Um sich dem Dienste des Herrn zu widmen, begab er sich nach Trier und empfing vom Bischof Mariminus die heiligen Weihen. Später zog er als Bote des Evangeliums aus. Um 351 wählte er eine Höhle bei Karden zu seinem Aufenthalt. Hier führte er ein beschauliches Leben und predigte den Moselbewohnern das Evangelium. Die Höhle liegt unterhalb des Ortes und wird noch heutigen Tages gezeigt. Sein Beispiel zog andere in seine Nähe, und das strenge Leben der Einsiedler machte auf die heidnischen Bewohner von Karden und Umgegend einen solchen Eindruck, daß viele sich taufen ließen und allmählich eine Christengemeinde zu Karden entstand. Lange Jahre wirkte der Heilige hier, bis er um das Jahr 377 in hohem Alter starb. Unter großer Teilnahme des Volkes wurde er in der Kirche, die er selbst zu Karden erbaut hatte, bestattet. Im Laufe der Jahre geriet das Grab des hl. Kastor in Vergessenheit. Aber im 8. Jahrhundert wurden seine Gebeine wieder aufgefunden. Die Reliquien verblieben in der Kirche zu Karden, wo später ein Stift zum hl. Kastor entstand; im 9. Jahrhundert jedoch wurde ein Teil derselben nach Koblenz übertragen, wo eine Kirche zu Ehren des Heiligen erbaut worden war. Im 12. Jahrhundert wurde die jetzige herrliche Kastorkirche errichtet, nachdem die alte durch Feuersbrunst zerstört worden war. Noch heute gewährt sie mit ihren vier schönen Türmen und ihrem zierlichen Chore namentlich den Reisenden auf den Rheinschiffen einen prächtigen Anblick.
(Nach de Lorenzi.)

Sankt Goar
St. Goar auf der linken und St. Goarshausen auf der rechten Rheinseite haben ihre Namen dem frommen Einsiedler Goar zu verdanken. Dieser kam zu Anfang des 6. Jahrhunderts in jene Gegend, um den armen heidnischen Salmfischern das Wort Gottes zu predigen. Er verkündete ihnen das Evangelium, während die Männer in ihren kleinen Kähnen auf die Fische lauerten und die Weiber mit den Kindern Netze strickten. Die Felsen, über die hier der Rhein fließt, waren den größeren Schiffen sehr gefährlich. Goar rettete mit aufopfernder Liebe manchen Menschen aus den Fluten des Stromes, wenn ein Schiff umschlug oder zerschellte. Durch seine Wohltaten und seine Lehre berühmt, wurde er an den Hof des Frankenkönigs Siegbert berufen. Diesem gefiel die Weisheit und Bescheidenheit Goars so gut, daß er ihn zum Erzbischof von Trier machen wollte. Der demütige Einsiedler zog aber seine Zelle am Rhein dem bischöflichen Stuhle zu Trier vor. Er ging zurück zu seinen armen Fischern. Kurz vor seinem Tode bat er den König, er möge die Kapelle, die er neben seiner Klause gebaut hatte, in Schutz nehmen. Seine geistlichen Obern hielt er um die Gnade an, sie möchten ihm zwei Geistliche schicken, die ihm im Todeskampfe beistehen sollten. Seine Bitte wurde gewährt. Die ihm von Gott auferlegten schweren Leiden ertrug er mit unerschütterlicher Geduld. Dann gab er unter den Gebeten der beiden Priester seine Seele in die Hände des himmlischen Vaters zurück. Seine Leiche wurde unter großem Zudrang des Volkes in seiner Kapelle beigesetzt. Zahlreiche Pilger wallfahrten zum Grabe des frommen Einsiedlers. Zur Zeit Karls des Großen wurde dem frommen Goar zu Ehren eine prachtvolle Kirche erbaut. An der Stelle, wo seine Hütte gestanden hatte, errichtete man ein Kloster. (Von Heitemeyer.)Wie Disibod an der Nahe das Christentum ausbreitete.
Um das Jahr 700 kam Disibod, ein Irländer von Geburt, mit drei Gefährten, Giswald, Klemens und Salust in das Nahetal, um den hier wohnenden Franken das Wort Gottes zu verkünden. Die Legende erzählt, er habe eine Offenbarung erhalten, sich da niederzulassen, wo sein Wanderstab grünen und ein Reh eine Quelle aus dem Boden scharren werde. Viele Jahre war er gewandert, ohne daß diese Zeichen eintrafen. Eines Tages rasteten die vier Glaubensboten in der Nähe des heutigen Ortes Staudernheim. Disibods Gefährten gingen zur Nahe hinab, um Wasser zu holen. Als sie zurückkamen, da kniete der greise Führer an einer frischen Quelle, ein Reh äste auf der Wiese, und der Stab Disibods grünte. "Hier ist der Ort, an dem wir bleiben," rief er aus. Bald erhob sich an dem Orte ein einfaches Bethaus, das den Missionaren zugleich zum schützenden Obdach diente. Einige Jahre verbrachten Sie so in der Einsamkeit, bis sie von Hirten entdeckt wurden, die nicht wenig erstaunt waren, mehrere fremde Männer in dieser Wildnis anzutreffen. Diese ihre Entdeckung teilten sie andern mit, und die Bewohner der Gegend kamen heran, um die Fremden zu sehen. Als sie den frommen Eifer der Einsiedler gewahrten, ließen sie sich in den Wahrheiten des christlichen Glaubens unterrichten und boten dafür die Arbeit ihrer Hände an. Einige bauten ein geräumiges Bethaus, andere machten einen Teil des wilden Gebirgswaldes zur fruchtbaren Flur. Dadurch wurde Disibod auf den Gedanken gebracht, man könne hier ein Kloster errichten. Die in der Gegend umher wohnenden Edeln überließen ihm zu diesem Zweck große Strecken der ringsum liegenden Waldungen. In kurzer Zeit stand daselbst eine schöne Kirche mit mehreren Zellen, die Disibod und seine Gefährten ein sicheres Obdach gewährten. Er starb im 81. Jahre seines Lebens, worauf er in der nämlichen Zelle, die er bisher bewohnt hatte beigesetzt wurde. Nach seinem Tode nahm ihn die Kirche in die Zahl der heiligen auf. Viele Gläubige pilgerten zu seinem Grabe. Der hl. Bonifatius kam selbst von Mainz herüber, um die Gebeine des Heiligen aus der Gruft, wo sie bis dahin geruht hatten, zu erheben und in der weiter oben gelegenen Klosterkirche wieder beizusetzen.

3. Die heilige Hildegard.
Bei dem Kloster Disibodenberg wurde auch eine Frauenklause erbaut. Darin schaltete um die Mitte des 12. Jahrhunderts als Äbtissin Hildegard von Böckelheim. Als Kind hatte sie erlebt, daß der deutsche Kaiser Heinrich IV. das Weihnachtsfest als Gefangener in Böckelheim zubrachte. Das hatte einen unauslöschlichen Eindruck auf sie gemacht. Ihr Körper war zeitlebens schwach, aber ihr Geist entfaltete sich um so mehr. Oft lag sie in Verzückung, und die begeisterten Worte, die ihrem Munde dann entströmten, schrieb der Mönch Gottfried getreulich auf. Einst wurde ihr die Offenbarung, sie solle zur Nahemündung ziehen und das Grabe des hl. Rupert aufsuchen, dessen Stätte niemand mehr kannte. Engel würden ihr helfen, sagte ihr die Stimme von oben, dort solle sie ein Kloster erbauen für sich und die Jungfrauen, die bei ihr wären. Hildegard fand an der Stelle, die sie im Geiste geschaut, eine Lilie wachsen. Da sie mit den Händen in der Erde wühlte, entsprang dort eine klare Quelle. Unter der Erde aber ruhten die Gebeine des hl. Rupert. Der Graf Meginhard von Sponheim steuerte reichlich bei, und bald erhob sich das Kloster Rupertsberg bei Bingen, das seit 1148 die Nonnen vom Disibodenberge beherbergte. Dreißig Jahre lang wirkte Hildegard dort noch als Äbtissin. Immer weiter drang der Ruf von himmlischen Offenbarungen, die Hildegard zuteil wurden. Auch der hl. Bernhard besuchte die fromme Frau und staunte über ihre Sehergabe. Viele Fürsten, Herren, Bischöfe und Äbte, ja Kaiser und Päpste haben an Hildegard geschrieben und ihren Rat erbeten in allerlei Nöten, und stets war sie dazu bereit. Kaiser Friedrich Rotbart beschied sie an seinen Hof nach Ingelheim. Hildegard hat auch geistliche Lieder in lateinischer Sprache verfaßt. Sie schrieb auch viele Schriften über Natur- und Heilkunde. Ihre Heilkunde ist, wie man sich denken kann, nicht in unserem Sinne wissenschaftlich, sondern echt mittelalterlicher Aberglaube, z. B. soll das rechte Ohr eines Löwen ein Heilmittel gegen die Taubheit sein. Viele ihrer Schriften sind veröffentlicht, andere liegen handschriftlich im Archiv zu Wiesbaden, so ein großer mit Bildern geschmückter Band. Ihr immerwährendes Siechtum litt sie geduldig. Auf den Ring, den sie trug, hatte sie die Worte eingraben lassen: "Ich leide gern." Sie wurde 82 Jahre alt. Als ihre Todesstunde nahte, so wird erzählt, blühte der Himmel auf, und in den Abendwolken ward ein kleines goldenes Kreuz sichtbar, das immer mehr wuchs, bis es weithin den Himmel erfüllte. Rundum aber zeigten sich kleine Kreise mit Kreuzen. Dieser ganze Glorienschein schien sich dem Hause zuzuneigen, wo Hildegard ihre Seele aushauchte. Sie wird als Heilige verehrt. Als die Schweden 1632 das Kloster niederbrannten, wurden die Schriften und Gebeine der hl. Hildegard nach Eiblingen bei Rüdesheim übergeführt. (Nach Hessel.)