Von den Burgen und ihren Bewohnern.

1. Wie die Burgen entstanden sind.

Wenn man den Hunsrück durchwandert, so sieht man an vielen Orten Reste einstiger fester Gebäude stehen, die aus grauer Vorzeit zu uns reden. Es sind die Ruinen ehemaliger Burgen. Ihre Anfänge reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück.
Die älteste deutsche Zeit kannte keine Burgen. Noch zur Zeit Karls des Großen hielten sich die Großen des Reiches auf ihren Meierhöfen oder Landsitzen auf. Als die Normannen und später die Ungarn die Gebiete des Rheines, der Mosel und Nahe verwüsteten, flüchteten viele Bewohner dieser Länderstriche mit ihrer Habe in die Waldungen des Hunsrücks. Da die Täler gegen solche Anstürme wenig Sicherheit boten, suchte man steile, möglichst unzugängliche Bergeshöhen, die ja ohne weiters natürliche Schutzstätten waren, durch Mauerwerk noch stärker zu befestigen. So entstanden die Burgen. Im Jahre 926 errichteten drei Edle am Hahnenbach, einem Nebenflüsschen der Nahe eine solche Befestigung, deren Reste, die Schmidtburg, noch heute einen schönen Anblick gewähren. Etwas später sind auch der Koppenstein und die Ravengiersburg erbaut worden. Die Anregung zum Burgbau gaben meistens Edle, die Arbeiter waren die Bewohner der Gegend, die als Entschädigung für ihre Arbeit das Recht erhielten, zur Zeit der Gefahr sich selbst, ihr Vieh und andere Habseligkeiten auf der Burg in Sicherheit zu bringen.

2. Von Grafen, Herren und Rittern.

In der Zeit, als die ersten Burgen erbaut wurden, entstand auch der niedere Adel auf dem Hunsrück. Nach dem Heerbanngesetz war jeder freie Grundbesitzer verpflichtet, zur Zeit eines Krieges, wenn in seiner Zehnt die Reihe ihn traf, unter Anführung seines Gaugrafen auszuziehen. Da der Freie oft die beste Zeit des Jahres von seinen Gütern abwesend war, und sich nicht bloß die Ausrüstung, sondern auch die Verpflegung selbst besorgen mußte, so war der Heeresdienst eine Drückende Last, viele Grundbesitzer gerieten in Armut. Um sich der Pflicht des Heerbanns zu entziehen, übertrugen viele Freie ihr Gut einem anderen und nahmen es von diesem als Lehen wieder zurück, wofür sie ihrem nunmehrigen Grundherrn Abgaben zu entrichten hatten. So verminderte sich die Zahl der freien Leute, die Zahl der Zinspflichtigen mehrte sich. Der Umstand, daß sie die Freigebliebenen durch häufige Teilnahme an Heereszügen des Ackerbaues entwöhnten und einen gewissen Stolz darein setzten, Waffen tragen zu dürfen, war für sie Grund genug, sich ganz dem Waffendienst zu widmen. So entstand der niedere Adel, der auf dem Hunsrück zahlreich vertreten war. Die Ritter standen in der Regel im Dienste der Herren, Grafen und Fürsten, die den höheren Adel bildeten. Sie fochten deren Fehden, hüteten ihre Burgen oder besorgten andere Schäfte.
Die Grafen hatten gleich den übrigen Ständen des Reiches die Verpflichtung, an den Reichszügen teilzunehmen mit einer ihrer Herrschaft angemessenen Zahl von Mannen und Knechten. Sie besaßen in der Regel große Güter, wie z. B. die Grafen von Sponheim und die Wild- und Rheingrafen.
Der Herrenstand war dem Grafenstand ebenbürtig. Man nannte seine Vertreter Freiherrn oder Barone. Die Freiherrn besaßen nicht so große Güter wie die Grafen, dagegen waren sie in der Regel im Besitze weit größeren Grundeigentums als die Glieder des Ritterstandes. Von ihren Burgen herrschten sie nicht bloß über einzelne Höre, sondern oft über mehrere Weiler und Dörfer. Herrengeschlechter waren auf den Burgen Waldeck, Ehrenburg, Schoneck, Braunshorn, Heinzenberg, Schmidtburg und später auch in Gemünden.

3. Vom Leben auf den Burgen.

Die Burgen des Hunsrücks waren entweder Eigentum größerer Gebietsherrn, oder mehrere Ritterfamilien teilten sich in ihren Besitz. Alle Burgherren, die eine Burg gemeinschaftlich besaßen, hatten den Namen Gemeiner. Starb eine Ritterfamilie aus, so ging ihr Besitzrecht an der Burg in der Regel auf die anderen Mitbesitzer über.
Die Burgbewohner schlossen einen Vertrag, der Burgfrieden hieß. Die Bestimmungen des Burgfriedens hatten nicht bloß Geltung für die Burg selbst, sondern auch für einen gewissen Umkreis. Jeder Burgbewohner, ob Herr oder Knecht, mußte den Burgfrieden beschwören. In diesem Vertrage stand die Bestimmung, daß kein Burginsasse einen anderen innerhalb des Burgfriedensbezirks mit Worten oder Werken verletzen dürfe, es war Pflicht jedes Gemeiners, den anderen gegen dergleichen Verletzungen zu schirmen. Mehrere Burgfrieden bestimmten zugleich die Strafe, denen der er verfiel, der die eine oder andere Vorschrift des Burgfriedens brach. Nach dem Waldecker Burgfrieden mußte jeder, der einem anderen Gemeiner oder dessen Angehörigen innerhalb des Burgfriedenbezirks totgeschlagen hatte, sofort mit allen seinen Leuten das Gebiet räumen. Auf ein Jahr mußte der Täter mit seinen Angehörigen den Bann des Burgfriedens verlassen und außerdem Schadenersatz leisten, wenn er einen anderen Gemeiner oder ein Mitglied dessen Familie wund geschlagen hatte.
Gehörte die Burg mehreren Rittern gemeinsam, so besorgten diese unter Zuhilfenahme von Wächtern und Knechten die Bewachung derselben. Hoch oben auf den höchsten Türmen spähte der Turmwächter, um durch einen Trompetenstoß das Nahen von Freund oder Feind anzukündigen. Kam Freundschaftsbesuch, so ließ der Pförtner die Zugbrücke herab, die über den tiefen Graben führte, der sich rings um die Burg hinzog. Nahten Feinde, so wurde die Brücke hochgezogen und die Tore fest verrammelt. Lag in einiger Entfernung von der Burg noch ein Wachturm, so hatte dieser einen besonderen Wächter. Die Torknechte waren die Schließer der Gefängnisse, die in der Regel in oder unter dem Hauptturme der Burg waren. Ihrer Hut waren die Gefangenen anvertraut.
Auf den Burgen, die das Eigentum größerer Gebietsherren waren wie Koppenstein, Balduinseck und Burg Dill, hüteten Burggrafen unter Zuhilfenahme von Rittern, die den Namen Burgmannen führten, dieselben. Die Burgmannen wohnten entweder ständig in der Burg, oder sie zogen nur zur Zeit der Fehde dorthin. Als Entschädigung erhielten Sie vom Burgherrn ein Stück Land zur Bewirtschaftung als Lehen. Sie durften auch in den Gewässern fischen und in den Wäldern der Jagd auf Hochwild obliegen. Die Zahl der Burgmannen war verschieden. Die Burg Dill hatte im Jahre 1287 deren acht.
Die Burgmannswohnungen bestanden oft in einzeln gelegenen Häusern und lagen alsdann, besonders wenn die burgherrliche Familie den Hauptbau bewohnte, wie in Kastellaun, neben oder vor der Burg in der sogenannten Vorburg. Bisweilen aber hingen sie untereinander zusammen und bildeten in ihrer Gesamtheit einen Teil der Burg. Dies war der Fall auf der Schmidtburg, wo der Burggraf die Oberburg bewohnte, während die Niederburg die Mannen innehatten.
Geräumig waren die Ritterwohnungen nirgends, auch da nicht, wo die Ritter selbst Burgherren waren. So bewohnten die Burg Waldeck acht, ja manchmal sogar dreizehn Ritter mit Frauen und Kindern, Knechten und anderem Gesinde. Ferner waren auf dem Raume untergebracht die Burgkapelle, Stallungen, Brunnen, Hofplätze und die Wohnungen der Pförtner, Torknechte und übrigen Wächtern.
Das Leben und Treiben auf unseren Burgen ist sicher nicht so beschaffen gewesen, wie man es sich beim Anblick so schön gelegener Burgtrümmer wohl ausmalt. Von glänzenden Festen, von großartigen Ritterspielen, von Kunstfertigen Sängern, die von Burg zu Burg zogen und ihre selbst erdichteten Lieder, mit Harfenspiel begleitet, vor Rittern und Edelfrauen vortrugen, vernehmen wir aus den alten Urkunden nichts. Feste mögen auf den gräflichen Burgen hin und wieder gegeben worden sein, auf diesen mag auch von Zeit zu Zeit ein kunstgeübter Harfenspieler sich eingefunden haben. Die meisten Burgen aber haben diese Genüsse entbehren müssen. In ihre düsteren, unheimlichen Räume hat sich höchstens der umziehende Fiedler mit seiner Geige gewagt. In den Urkunden liest man von den vielen Streitigkeiten, welche die Burgbewohner unter sich hatten. Da war bald Zank um einen Pferdestall, um eine Hofstätte, um ein Gartenstück usw. Das Leben auf den vom niederen Adel bewohnten Burgen das nicht gedacht werden; als ein Leben im Überflusses und Glanze. Prunklos und äußerst beschränkt waren die Wohnungen, einfach, oft erbärmlich die Geräte. Auch waren diese Burgen nicht der Sitz der feinen Sitte, der Geist, der auf ihnen waltete, war ein Geist der Roheit. Das Leben einzelner Ritter mag reich an Hochherzigkeit und Edelmut gewesen sein, aber diese Züge werden oft wieder durch arge Frevel getrübt. Der Ritter der Gerechtigkeit liebte, rechnete es sich nicht zur Schande an, zur Zeit der Fehde seines Gegners Weiler und Höfe niederzubrennen, dessen Schutzbefohlene zu mißhandeln und auszuplündern.
Das Leben der Ritter, die so häufig infolge von Fehde und Jagd, Kriegs- und Hofdienst von ihrer Burg abwesend waren, ist wohl meist ein bunt bewegtes gewesen. Um so einförmiger war in der Regel das Leben ihrer auf den Burgen zurückgebliebenen Frauen. Weben und Spinnen war ihrer und der Töchter Hauptbeschäftigung. Beneidenswert war ihr Los keineswegs. Infolge der wechselvollen Fehden verarmten die Familien oft. Der Ritter kehrte als Krüppel auf die Burg zurück, für immer der liebevollen Pflege der Frau und Tochter bedürfend. Wie viele büßten im Kampfe ihr Leben ein! Manche Ritterwitwe mag ihre späteren Tage in großer Dürftigkeit verlebt und es als große Gnade betrachtet haben, wenn ein nahe gelegenes Kloster den Töchtern oder jüngeren Söhnen die Pforte öffnete.

(Nach Back)

4. Der hl. Bernhard predigt einen Kreuzzug.

An den Kreuzzügen, die unternommen wurden, um das hl. Land den Türken zu entreißen, nahmen auch die Ritter unserer Gegend reichen Anteil. Im Jahre 1148 begab sich der hl. Bernhard an den Rhein, um die rheinische Ritterschaft für einen Kreuzzug zu begeistern. Kurz zuvor, am Weihnachtsfest des Jahres 1147 hatte er den damaligen Kaiser Konrad im Dome zu Speyer zu bestimmen gewußt, einen Kreuzzung zu unternehmen. Am zweiten Tage nach dem Dreikönigsfest war Bernhard in Kreuznach. Am folgenden Tage brach er dort auf und zog über den Hunsrück, der alten Römerstraße bis Simmern folgend. Sein Nachtlager nahm er in dem kleinen Orte Bickenbach, wo damals schon eine Kirche stand. Auch hier wurde, wie allerwärts, die wundertätige Kraft, die Bernhard nach dem übereinstimmenden Zeugnisse seiner Zeitgenossen innewohnte, von Hilfsbedürftigen aller Art in Anspruch genommen. Nachdem er diesen, darunter einen Gichtbrüchigen aus Boppard, die erbetene Hilfe gewährt hatte, setzte er seinen Weg nach Koblenz fort. Als er in Koblenz in der alten Kastorkirche, die zahlreich herbeigeströmte Menge zur Teilnahme an dem hl. Kampfe in begeisterter Rede aufrief, da soll ein Edler des Hunsrücks, ein Herr von Ehrenburg, der erste gewesen sein, der sich bereit erklärte an dem Zuge teilzunehmen.
Auch an den späteren Kreuzzügen nahmen die Grafen und Herren, unter deren Herrschaft unser Gebiet stand, oftmals teil. Um das Jahr 1200 kämpfte ein Graf von Sponheim im hl. Lande. Einige Jahre später verpflichtete sich der Graf Johann von Sponheim zur Teilnahme am heiligen Kampfe. Begleitet von dem Abte des Klosters Sponheim schloß er sich mit seinen Mannen und Knechten den zahlreichen Scharen an, die im Jahre 1217 nach dem hl. Lande strömten. Unter den zahlreichen Reliquien, die für das Kloster aus dem hl. Lande mitgebracht wurden, soll auch der auf Golgatha mit dem Blute Christi befleckten Stein gewesen sein.

5. Von den Raubrittern.

Im Mittelalter gehörten der Hunsrück nicht zu den gesegneten Landstrichen Deutschlands. Die Güter der Ritter trugen kaum das ein, was zum Lebensunterhalt notwendig war. Weilten die Ritter auf ihren Burgen, so vertrieben sie sich die Zeit mit Würfelspiel, wobei oft große Summen verloren gingen. Um die Spielschulden bezahlen zu können, scheuten sich viele Ritter nicht, den vorüberziehenden Kaufleuten die Waren und den Bauern fremder Herren das Vieh zu rauben. Sie sperrten zu diesem Zwecke die Straßen oder boten den Kaufleuten für teueres Geld ihr Geleit an, wurde das abgelehnt, so wurden sie ausgeplündert, sie selbst in die Turmgefängnisse geworfen und erst gegen hohes Lösegeld wieder freigegeben. nicht ohne Grund nannte der Volksmund einen Ritter von Dill "Strupphaber". In einem alten mittelalterlichen Edelmannslied heißt es:
Will tu dich erneren, du junger Edelmann,
Folg du meiner Lere, sitzt uf drab zum Ban!
Halt dich zu dem grünen Wald, wan der Bauer ins Holz ferd,
So renn in freislich an. Derwisch in di dem Kragen,
Erfrew das Gerte dubm bun unm was er gabe,
Spann us die pferdelin sin. Bis frisch und darzu unverzagt,
Wann er nummen Pfennig hat, so riß im d´Gurgel ab!

Nicht selten stellte sich bei dem Rittersmann, der in solchem Tun sein Leben hingebracht hatte, bei Annäherung des Todes tiefer Reueschmerz ein. Um einen gnädigen Richter im Jenseits zu finden, gab er bisweilen die Hälfte seiner Güter, oft sein ganzes Vermögen einer Kirche oder einem Kloster, um so die verübten Frevel bei Gott und den Menschen zu sühnen.
Als König Rudolf von Habsburg längs des Rheins herabzog, um die Raubschlösser des niederen Adels zu brechen, da wurde von ihm, wie Trithemius erzählt, auch die Burg Schöneck an den durch Rudolf bestraften Räubereien beteiligt, so gewiß auch die Besitzer von Waldeck, und unter den Rittern und Edelknechten, die der Sage nach auf einer Wiese bei Trechtigshausen am Rhein, da wo jetzt die Klemenskapelle steht, mit dem Strange hingerichtet wurden, werden sich auch Edle der Burg Waldeck befunden haben.

Der wilde Jäger

Graf Walram, der Schwager des Wild- und Rheingrafen Johann von Dhaun, war einer der tatkräftigsten Männer seiner Zeit. Manche Fehde hat er ausgefochten. Die Jagd liebte er über alles. Was ihm beim Jagen im Soonwald eines Tages zugestoßen sein soll, erzählt der Dichter Gottfried, August Bürger in der Ballade: Der wilde Jäger.

Sonntag ist´s. Ringsum verkünden die Glocken den Tag des Herrn. Die Gläubigen eilen zur Kirche. Graf Walram aber rüstet zur Jagd. Hörner ertönten und rufen Mannen und Reisige zu Pferde. Mit Hussassah reitet der wilde Troß zum Soon. Sieh da, zwei fremde Ritter gesellen sich zu Walram. Der auf dem Schimmel hält sich zu seiner Rechten, und der auf feuerfarbenem Rosse trabet links. "Kehrt um, Herr Graf" spricht der zur Rechten, "ihr erjagt euch heute nichts Gutes. Hört auf die Glocken, die zur Andacht mahnen." "Was schert Euch Feiertag und Chorgesang," fällt da der linke Ritter ein, "nur frisch drauf los, die Jagd, die wird euch mehr erfreuen." Schonungslos geht's nun durch die Felder. Da springt ein weißer Hirsch auf. Er flieht, und hinter ihm her Graf Walram. Die Saat wird vernichtet, die Bitten des armen Mannes hört der Graf nicht, die Peitsche schlägt er ihm über den Kopf. Der Hirsch sucht Schutz unter einer Viehherde. Da sprengt der Rasende heran, peitscht die Hirten, die Herde verendet unter den Händen des Trossen. Zwar warnt der rechte Ritter vor solchem Tun und Treiben, Walram aber folgt den Worten des linken. Das Wild hat nun den Wald erreicht. In eines Klausners Hütte sucht es Schutz.
Den Frieden der Einsiedelei achtet Walram nicht. Er sprengt heran. Beschwörend hebt der Greis die Hände und fleht um Erbarmen Umsonst! Der Graf hört nicht auf ihn, er will seine Lüste büßen.

Er Schwingt die Peitsche, stößt ins Horn:
"Hallo, Gesellen, drauf und dran!"
Hui, schwinden Mann und Hütte vorn,
Und hinten schwinden Roß und Mann;
Und Knall und Schall und Jagdgebrülle
Verschlingt auf einmal Totenstille.

Erschrocken blickt der Graf umher;
Er stößt ins Horn, es tönet nicht;
Er ruft und hört sich selbst nicht mehr;
Der Schwung der Peitsche sauset nicht;
Er spornt sein Roß in beiden Seiten
Und kann nicht vor- nicht rückwärts reiten.

Drauf wird es düster um ihn her
Und immer düstrer, wie ein Grab.
Dumpf rauscht es wie ein fernes Meer;
Hoch über seinem Haupt herab
Ruft furchtbar, mit Gewittergrimme,
Dies Urteil eine Donnerstimme:

"Du Wütrich teuflischer Natur,
Frech gegen Gott und Mensch und Tier!
Das Ach und Weh der Creatur
Und deine Missetat an ihr
Hat laut dich vor Gericht gefordert,
Wo hoch der Rache Fackel lodert.

Fleuch, Unhold, fleuch und werde jetzt,
Von nun an bis in Ewigkeit,
Von Höll´und Teufel selbst gehetzt,
Zum Schreck der Fürsten jeder Zeit,
Die, um verruchter Luft zu fronen,
Nicht Schöpfer noch Geschöpf verschonen!"

Ein schwefelgelber Wetterschein
Umzieht hierauf des Waldes Laub.
Angst rieselt ihm durch Mark und Bein;
Ihm wird so schwül, so dumpf und taub!
Entgegenweht ihm kaltes Grausen,
Dem Nacken folgt Gewittersausen.

Das Grausen weht, das Wetter saust,
Und aus der Erd´ empor, huhu!
Fährt eine schwarze Riesenfaust!
Sie spannt sich auf, sie krallt sich zu;
Hui! Will sie ihn beim Wirbel packen;
Hui! Steht sein Angesicht im Nacken.

Es flimmt und flammt rund um ihn her
Mit grüner, blauer, roter Glut!
Es wallt um ihn ein Feuermeer;
Darinnen wimmelt Höllenbrut.
Jach fahren tausend Höllenhunde,
Laut angehetzt, empor von Schlunde.

Er rafft sich auf durch Wald und Feld
Und flieht, laut heulend Weh und Ach;
Doch durch die ganze weite Welt
Rauscht bellend ihm die Hölle nach,
Bei Tag tief durch der Erde Klüfte,
Um Mitternacht hoch durch die Lüfte.

Im Nacken bleibt sein Antlitz stehen,
So rasch die Flucht ihn vorwärts reißt.
Es muß die Ungeheuer sehn,
Laut angehetzt vom bösen Geist,
Muß sehn das knirschen und das Jappen
Der Rachen, welche nach ihm schnappen.-

Das ist des wilden Heeres Jagd,
Die bis zum jüngsten Tage währt
Und oft dem Wüstling noch bei Nacht
Zu Schreck und Graus vorüberfährt,
Das könnte, müßt´ er sonst nicht schweigen,
Wohl manches Jägers Mund bezeugen.

Die Burg Dill.

Eine Wegstunde südwestlich von Kirchberg erheben sich auf einem Felsenkegel die Trümmer der Burg Dill. Sie gehört auch zu den ältesten Burgen des Hunsrücks. Wahrscheinlich ist sie im 10. Jahrhundert durch Eberhard von Franken als Grenzfeste gegen Lothringen erbaut worden. Die Lage und Umgebung des genannten Bergkegels, den der Sohrbach fast in einem geschlossenen Kreise umfließt, konnte unmöglich dem Auge des schwertgegürteten Bauherrn entgehen.
Als der Anlageplan die Genehmigung Eberhards gefunden, beauftragte er einen Jungherrn aus einem Grafengeschlechte an der Nahe mit der Ausführung des Baues. Die Werkleute hatte er mitgebracht; denn die Bauern des Gaues verstanden nur Hand- und Spanndienste zu leisten.
Bald war der Grundriß der neuen Burg im Gelände abgesteckt. Die ganze Anlage ward 250m lang und 150m breit. Im östlichen Teile wurde die zur Burg ausersehene Kuppe durch einen tiefen Einschnitt in den Fels abgesondert, ein Wallgraben ausgehoben und durch eine Abzweigung ein Teil des Sohrbachwassers hineingeleitet, dessen Fluten nunmehr den Fuß der Bergkuppe rings umspülten. Da jedoch die Wasser nur zu Zeiten hochgingen, so mußte der Schutz, den sie gewährten, noch durch eine Mauer, welche die niedrige Burg umgeben sollte, verstärkt werden. Im Osten zu beiden Seiten er heutigen steingewölbten, festen Brücke über den jetzigen Mühlbach erstanden zwei kleine Türme, zwischen denen das eisenbeschlagene Außentor eingebaut ward. Außerdem wurden die Ketten der Zugbrücke dorthin geleitet, sodaß dies vom Innern der Tortürme aus bedient werden konnte. Der Rest eines Torturmes ist noch als wenig gewölbtes Mauerstück im Ziergärtchen an der Schuld sichtbar. Das Außentor gewährte jedoch nur Einlaß in die Vorburg. Als die fertiggestellte Burg von dem neuen Burgherrn bezogen ward, erließ er einen Ruf in die zu seiner Grafschaft gehörigen Dörfer und Weiler, der zur Seßhaftmachung in der Vorburg zu Dill aufforderte und denjenigen, die seinem Rufe folgten, Vorrechte einräumten.
Die Höhe des Bergkegels krönte die eigentliche Burg, die in zwei Teile gegliedert ward, welche als obere und niedere Burg bezeichnet wurden. Die Niederburg ward mit einer hohen, dicken Ringmauer umgeben, durch welche nur ein einziges Tor sich der Vorburg zu öffnete. Es war ein sogenanntes Zug- oder Schubtor. Seine Gleitbeute sind noch heute zu beiden Seiten der Pfades zur Oberburg hin im Felsgestein sichtbar. Die Niederburg ward mit Wohnungen für die Dienstmannen und mit Stallungen für die Pferde des Burgherrn versehen. Kamen befreundete Ritter z einem Festspiel nach Dill, so wurden deren Mannen und Pferde in den Gehöften der Vorburg untergebracht. Der obere Teil der Niederburg ward zum Ritterfechtplatz (Turnierplatz) hergerichtet. Am Aufgange, der zu ihm hinführt, liegt noch heute der mit einem Dach geschützte, gemauerte, ehemals tiefe Burgbrunnen. Wie oftmals mag sein klares, kühles Felsennaß der lechzenden Zunge von Mann und Roß labende Erquickung gespendet haben.
Auf der höchsten Kuppe des Burgfelsens wurde ein Mauerwerk in viereckiger Form aufgeführt. Sein Inneres ward mit Schutt und Erdreich ausgefüllt und geebnet. Auf diesem Platze erhoben sich nach und nach die Baulichkeiten der Oberburg. Die Westseite füllte der stolze Bau des Herrenhauses aus. Drei Stockwerke konnte das Auge von Außen erschauen, ohne die weitgewölbten, niedrigen Keller, dessen kühle, düsteren Räume außer der Wehrstatt auch den feurigen Sponheimer Wein bargen. Ueber dem Kellergewölbe gleich erhob sich der Festsaal der Ritter im Schmucke blanker Rüstungen, blitzender Wehrgehänge, Waffen und strahlender Schilde. Auf langem Eichentisch stand schweres, zinnenes Tafelgeschirr, wenn der Burgherr edele Ritter zum Fest geladen, die in seinem Sammet und Seidengewande zu beiden Seiten auf Schemelstühlen saßen und in heiterem Frohsinn zechten, erzählten oder dem Liede des fahrenden Minnesängers lauschten. Auf dem darüber liegenden Stockwerke waren die Frauengemächer. Der Rinnstein der Küche ist noch jetzt von außen erkennbar. Die Küche und die Wohnräume der Frauen waren gleich dem Rittersaale mit Kaminen versehen und deshalb auch in der rauhen Jahreszeit bewohnt. Das dritte Stockwerk enthielt die Kammern für Getreide und Mehl, die Schlafstuben der Knappen und Pagen. Der Burgherr hatte im mittleren Stocke seine Schlafstätte. Auf dem Bergfried an der Westseite des Herrenhauses außerhalb der Oberburg hauste Tag und Nacht, jahraus und jahrein der Türme und waltete mit scharfem Späherauge seines verantwortungsschweren Amtes. Denn er war "zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt" und warnte mit seinem Hornstoß die Bewohner der Burg vor den grimmen Reisigen des streitbaren Feindes oder kündete jubelnd das Nahen der Freunde.
An stillen Sommerabenden trat der Burgherr zuweilen mit den Seinigen in den Burggarten, der im östlichen Teil der der Oberburg angelegt war. Auf solchen abendlichen Gängen kam er auf den Söller an dem Nordostende des Gartens. Er bietet auch heute noch einen reizenden Ausblick nach der Niederburg mit dem Fechtplatz, an dessen Westende sich jetzt eine kleine Kirche erhebt deren Inneres einige Oelbildnisse mit Darstellungen aus Gleichnissen Jesu birgt. Besonderes Augenmerk zieht die Darstellung des königlichen Hochzeitsmahles auf sich durch eine ebenso einfache wie eindringliche Gestaltung. An der Westseite des Burggartens erhebt sich ein kleiner Gedenkstein, den die Bewohner Dills einem unerschrockenen Pfarrer setzten, weil durch sein wackeres Eintreten für seine Gemeinde das Dorf vor Plünderung und Brandschatzung bewahrt blieb, während die Burggebäude in Rauch und Flammen aufgingen. Weiter wendet sich das Auge in die Vergangenheit zurück und sieht eine frohbewegte Tätigkeit außerhalb der Vorburg. Neue Bewohner haben sich dort ansässig gemacht, und ein ordentlicher Marktflecken ist entstanden. Sie und die Bewohner der Vorburg waren durch den Freiheitsbrief des Grafen Johann von Sponheim aus dem Jahre 1427 freie Bürger mit städtischen Rechten geworden, während die Hintersassen und anderen in den Dörfern, Höfen und Weilern leibeigene blieben. Erst durch den Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach erhielten auch sie die Freiheit, 6 Jahre eher als der französische Bürger und Bauer, der sie sich durch blutige Kämpe mühsam erstritt.

Koppenstein und Gemünden

Die Burg Koppenstein verdankt ihren Namen der mit riesigen Felsblöcken reichlich besäten Berghöhe, der Koppe, auf der noch heute ihre Trümmer weithin sichtbar emporragen.
Sie war für die Grafen von Sponheim von großer Bedeutung. Durch sie wurden ihre Besitzungen nach der oberen Nahe zu geschützt, sie deckte die Straße, die sich von Kreuznach über Sponheim, Winterburg, Gemünden und Kirchberg noch der Mosel zog. Hundertsiebzig Jahre besaß das Kloster Sponheim die Herrschaft Koppenstein. Während dieser Zeit werden sich die Grafen öfters bemüht haben, die Burg dem sponheimischen Hause wieder zu gewinnen. Aber erst im Jahre 1325 ließen sich die Mönche bestimmen, das Besitztum an den Grafen Simon und Johann auszutauschen und zwar gegen ein ihnen näher gelegenes und wahrscheinlich einträglicheres Gut im Dorfe Bosenheim an der Nahe.
Bald darauf im Jahre 1331 wurde Koppenstein zur Stadt erhoben. Das Gebiet der Stadt wird aber auch ziemlich auf den Flächenraum beschränkt geblieben sein, den vorher die Burg eingenommen hatte. Einer bedeutenden Erweiterung stand schon der Mangel an Garten- und Ackerland entgegen, noch mehr aber der Mangel an Wasser. Die Zahl der Bürgerfamilien ist wohl über acht nicht hinausgegangen.
Am Feste Kreuzerhöhung im Jahre 1348 vollzog der damalige Weihbischof der Mainzer Diözese die Weihe der Kapelle, die man in der neuen Stadt erbaut hatte. Ursprünglich gehörten zu der Burg nur die kleinen Weiler Gehlweiler und Reichweiler. Als Reichweiler untergegangen war, beschränkte sich die Herrschaft auf das sogenannte Gericht Koppenstein und Anteile an de Gerichten Kellenbach und Mengerschied.
Ueber die Zerstörung der Burg ist nichts bekannt. Die letzte Bewohnerin war Maria Margarete Rostenstein, genannt das "Koppensteiner Gretchen", die am 5. Januar 1821 im Alter von 72 Jahren dortselbst starb und in Kellenbach beerdigt wurde. Sie hatte ihre Wohnung anfangs in der Höhlung am Fuße des Turmes. Die Freifrau von Schmidtburg ließ ihr ein kleines Häuschen bauen. Auch dieses ist im Laufe der Jahre ganz verfallen.
Unmittelbar unter dem Koppenstein im Tale des Simmerbaches lag die sponheimische Burg Gemünden. Diese war auf einem Hügel am rechten Simmerufer erbaut, wo noch heute ein in neuerem Stile aufgeführtes burgartiges Gebäude sich erhebt. Wahrscheinlich haben die Grafen von Sponheim die Burg errichtet, als die Feste Koppenstein in den Händen des Klosters Sponheim war, um ihre Hunsrücker Besitzungen schützen zu können. Aus verschiedenen Gründen ist es unwahrscheinlich, daß Gemünden sehr alten Ursprungs ist. Es war weder Hauptort eines alten Pfarrsprengels, noch hatte es eine ausgedehnte Gemarkung, woran Orte älteren Ursprungs vorzugsweise kenntlich sind. Großer ist die Gemarkung geworden durch die Einverleibung des Ortes Reichweiler. Vielleicht geschah dieses so, daß die Grafen von Sponheim, als sie Koppenstein wieder erwarben, Reichweiler von der Burg trennten und seine Bewohner in der Vorburg von Gemünden ansiedelten. Bereits vor 1317 befand sich in dieser Vorbug eine Kapelle, die als Tochterkirche der Pfarrkirche Kirchberg von einem ständigen Vikar bedient wurde.
Die Entstehung des Schlosses selbst wird in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Fritsch Erbschenk von Schmidtburg, der Schloß und Tal Gemünden 1437 für 950 Gulden von dem Pfalzgrafen kaufte, machte es zum Stapelplatz seiner umfangreichen Zehnten, die ihm vom Rhein, der Nahe und Mosel, von Luxemburg und Lothringen zufielen. In der Folgezeit sah das Schloß ruhige Zeiten, selbst im 30jährigen Krieg. Der Wallensteinische Reitergeneral von Schmidtburg erzählt in seiner Lebensbeschreibung nichts von Verwüstungen des Schlosses. Schlimmer wurde es, als am Ende des 17. Jahrhunderts die Kriegsstürme über den Hunsrück brausten. Turm und Mauern wurden niedergelegt, das Schloß selbst schwer beschädigt. Eine französische Einquartierung von 1 Hauptmann und 60 Mann lag lange Zeit in dem Orte. Erst 1720 ward das Schloß wieder aufgebaut. Die letzte Erbschenkin von Schmidtburg heiratete Frhr. V. Salis, einen österreichischen Offizier, den sie in den Befreiungskriegen kennen gelernt hatte. Ihre Nachkommen sind noch heute im Besitz der Schlosses.

Schloß Dhaun

Dort, wo der Simmerbach das enge Tal verläßt, um sich mit der Nahe zu vereinigen, liegt auf einem das Tal zur gähnenden Schlucht einengenden Felsen die Ruine des Schloß Dhaun. Sie bietet als ehemaliger Sitz eines der angesehensten Heldengeschlechter, der Wild- und Rheingrafen, eine seltene Fülle geschichtlicher Merkwürdigkeiten.
Wahrscheinlich ist Dhaun keltischen Ursprungs. Die Römer hatten dort eine Niederlassung. Später kam der Platz in den Besitz der Franken, welche die Spitze des Felsens mit einer Burg krönten, die von den Normannen zerstört wurde. Die Nahegaugrafen errichteten die zerstörte Feste von neuem, der die Wildgrafen weitere Gebäulichkeiten durch die untere Burg beifügten. Nach dem Aussterben der Wildgrafen erbten die Rheingrafen. Im 16. Jahrhundert vereinigten diese die Ober- und Niederburg durch große Erdanschüttungen und gewaltige Mauern, auch wurden damals die Verließe und Gänge, die bis heute erhalten sind, ausgebaut und der frühere Rittersaal sowie der Flügel mit der Kapelle neu hergestellt.
Mit dem 18. Jahrhundert begann eine neue Zeit für die Burg. Der damalige Rheingraf Karl hatte seine besten Jahre in französischen Kriegsdiensten verbracht. Nach Dhaun zurückgekehrt, gefiel ihm die altmodische Burg nicht mehr. Die Feste wich dem Palaste. Im Jahre 1729 ward Dhaun von Grund aus umgebaut. Der Tunierplatz wurde durch den Luftgarten erweitert, der Graben zugeworfen und zum Garten umgeschaffen. Die Burg schmückte zahlreiche Neubauten, Lauben und Grotten wechselten miteinander, Tannen und ausländische Gewächse waren auf den Berghängen verteilt. Von den Felsenkuppen schauten steinerne Bildsäulen ins Tal. Statt der steilen Felswege legte man breitere fahrbare Wege an. So erweiterte sich der anfänglich geringe Raum zwischen den Felsen nach und nach zu der Anlage, wie sie jetzt von den Ringmauern eingefaßt wird. Der alternde Rheingraf genoß diese Pracht nicht lange. Bereits 1733 starb er. Seine Kinder waren ihm bis auf einen Sohn im Tode vorangegangen. Dieser besuchte die Hochschule in Straßburg. Als er von der Kaiserkrönung Karls VII. aus Frankfurt dorthin zurückkehrte, starb er. In der Thomaskirche zu Straßburg ward er begraben, das Herz aber in der Ahnengruft in der Kapelle St. Johannisberg bei Kirn an der Nahe beigesetzt. Als bald darauf auch die letzten Anverwandten starben, schloß sich die Familiengruft der Wild- und Rheingrafen für immer. Im Jahre 1794 wurde Dhaun von den Franzosen in Besitz genommen und von diesem 1804 für 3000 Franken auf Abbruch verkauft. Nachdem das wertvollste Material verschleppt worden war, kaufte 18 Jahre später ein Lehrer für 50 Gulden die mächtigen Ruinen. Sie sind in ihrem Verfall noch großartig und rufen samt dem verwilderten Schloßgarten die Erinnerung an frühere Zeiten wach. Die späteren Besitzer haben sich die Erhaltung der Ruine angelegen sein lassen und die aufgefunden Altertümer in einer schönen Sammlung vereinigt.

Der Affe zu Dhaun

Die Steinfassung der Türe des Rittersaales auf Schloß Dhaun zeigt ein altes Steingebilde, das einen Affen mit einem Kinde darstellt. Simrock schildert die sich daran knüpfende Sage:

Die Wiege leer, des Grafen Kind hinweg, ich arme Frau!
Der Vater schlägt mich lahm und blind, der Raugraf ist so rauh.
Zigeuner wohl, da kurze Frist ich nickte, trugen´s fort."
Und wo der Wald am tiefsten war, im eichenstarren Soon,
Des Grafen Affe pflegt fürwahr geschickt des Grafen Sohn.
Er bringt ihm Aepfel, die er fand dort vor des Waldes Saum
Und süßer Beeren allerhand, und Honig aus dem Baum.
Wiegt ihn in Schlaf auf seinem Schoß ganz nach der Amme Brauch.
Macht ihm ein Bett aus weichem Moos, sitzt dann und schlummert auch.
Da nimmt die Frau den Knaben froh und trägt ihn fort geschwind,
Im Schlosse war schon ein Halloh um das verlor´ne Kind.
"Hier ist der Jung, er war im Wald; der Affe der ihn stahl,
Er kommt wohl auch, der Schläfer bald, erwacht er nur einmal.
Er hat mir alles nachgemacht, genau, wie er´s geschaut,
Nun halt ich immer besser Wacht und schnarche nicht so laut."
Des Grafen und der Gräfin Pein war da in Luft verkehrt,
Dem Affen setzten sie in Stein ein mal, das heut´noch währt.
Hier hält er vor dem Saal zu Dhaun dem Kind den Apfel hin,
Doch warum wird nich ausgehau´n die fleiß´ge Wärterin?

Noch einige Burgen

Tief im Soonwalde, eine gute Wegstunde von Mengerschied entfernt, stand eine Burg, von der das angesehene Geschlecht der Herren von Wildpergk seinen Namen trug, die Wildburg. Obschon die Burg noch bis zu Ende des 16. Jahrhunderts wohl erhalten war und von ihren damaligen Besitzern, den Herzögen von Simmern, bei den Jagden im Soonwalde häufig besucht wurde, merkt man heute kaum, daß ehemals dort größere Gebäulichkeiten sich erhoben haben. Weder Turm noch Pforte, weder Ringmauern noch Zugbrücke haben sich erhalten, nur der mit einigen Mauerresten bedeckte Felsen, der einst die Hauptteile der Burg trug, wird noch gefunden. Hat man dessen Höhe erklommen, so begreift man kaum, wie sich auf so engem Raume eine Burg ausdehnen konnte, die zu gleicher Zeit verschiedenen Rittern und ihren Reisigen Aufenhalt gewährte. So teilten sich im Jahre 1333 vier Ritterfamilien in ihren Besitz. Sie bot in Zeiten persönlicher Gefahr eine sichere Zufluchtsstätte. Mußte ein Ritter auf längere Zeit sich in diese Feste zurückziehen, so war er, falls er mit seinen Reisigen und Rossen nicht verhungern wollte, oft gezwungen, aus dem von ihm liegenden Klostergebiete von Ravengiersburg das Nötige sich zu beschaffen, denn um die Burg herum lag kein angebautes Land, und kein Weiler und Hof war ihr zugehörig.

Die Ruine Schmidtburg liegt auf einem Bergvorsprung, der von drei Seiten vom Hanenbach umflossen wird. An der südlichen Bergseite schneidet ein Graben, über den die Zugbrücke führte, diesen Vorsprung vom Gebirge ab. An der Brücke beherrscht ein Felsenkopf die tiefer liegende Fläche. Von der Vorburg, die auf dem Felsenkopf stand, sind noch der Rittersaal und der Turm zu erkennen. Auf einer niederen Felsmasse erhob sich die Niederburg, die Wohnungen der Burgmannen. Die Schmidtburg gehört zu den ältesten Burgen der Gegend und war Eigentum der Wildgrafen. Zerstört wurde sie während des französischen Revolutionskrieges.

Um gegen die mächtigen Grafen von Sponheim einen Stützpunkt zu gewinnen, erbaute Erzbischof Balduin in dem Tale zwischen Mastershausen und Buch in den Jahren 1320 bis 1325 die Burg Balduinseck. Ein trierischer Obermann war ihr Gebieter. Als Feste ist sie wenig hervorgetreten und geriet seit dem 17. Jahrhundert immer mehr in Verfall Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war sie Ruine.

Die Ruine Waldeck, in einer stillen, waldreichen Gegend unfern des Baybachtales gelegen, besteht Aus den stattlichen Ueberresten einer Burg, als deren Herren 1242 die vier Ritter Heribert, Udo, Bosso und Wynant erscheinen. Erzbischof Balduin geriet mit den Herren von Waldeck in Fehde wegen Plünderungen, die sie mit anderen Rittern verübt hatten. Dem Schlosse ward durch die Grafen von Waldeck um 1700 jene Gestalt gegeben, die wir heute noch in den Trümmern erkennen. Um 1850 wurde es einem Bürgersmann verkauft, der bald darauf alles Holzwerk und die Werksteine ausbrechen ließ, um sie zum Bau eines Hauses zu verwenden . Die Ruine verkaufte er hierauf für 140 Taler an die Gemeinde Dorweiler.