Die Ellerner Holzkerb

Wie in allen Dörfern drohte auch in Ellern der traditionellen Kirmes das "Aus". Viele Anstrengungen wurden unternommen um dieses Dorffest am Leben zu erhalten. Der Gemeinderat hat das Problem diskutiert, den Termin verlegt und immer wieder zur Teilnahme an dieser Tradition aufgerufen. Das Ergebnis war eher mager.
War die Kirmes früher das Highlight in der Gemeinde, bei der man sich von der Arbeit des Jahres ablenken konnte, (In Ellern fand sie meist während der Ernte statt.) konnte sie mit ihrem Angebot vor Ort immer weniger der auswärtigen Konkurrenz Stand halten.
Zudem war es den, weniger mobilen, früheren Generationen gar nicht möglich auswärtige Feste in der Vielzahl zu besuchen, wie dies heute ohne Probleme machbar ist.
Zum einen gab es nicht dieses Angebot, zum anderen fehlten die Verkehrsverbindungen und, nicht zuletzt, die finanziellen Möglichkeiten.

Heute stellt sich der Jugend weniger die Frage: "Feiern wir"? sondern eher: "Wo feiern wir"?:
Es musste also ein Konzept her.
Auf Vorschlag des Ortbürgermeisters stimmte der Gemeinderat deshalb folgender Überlegung zu:
Wir brauchten eine Idee, die es in dieser Form nicht gab und die Ellern in besonderer Weise repräsentiert.

Die Idee war das Produkt, das wie nichts sonst zu Ellern gehört: Holz.
Schon im Wappen befindet sich ein Baum. Die Erle!
Ellern hat einen schönen Wald, um den man sich seit je her liebevoll und mit Engagement bemüht.
Die Folgearbeiten im Nachgang zur Naturkatastrophe "Wiebke" haben dies eindrucksvoll belegt.
Ellern lebt seit Jahrzehnten von der Vermarktung von Holz. Es gibt sowohl einen weit über die Grenzen des Hunsrücks bekannten holzverarbeitenden Betrieb wie eine nicht minder bekannte Baumschule.
In beiden Betrieben gehen seit Generationen Ellerner wie Nichtellerner ihrem Broterwerb nach.
Der naturfreundliche Gemeinderat bemühte sich schon immer um die Umwelt.
So mancher Baum wurde, gerade in den letzten Jahren, in und um Ellern gepflanzt.
Grund genug, dieser Idee zu folgen.

Man begann damit Betriebe und Privatpersonen, die mit Holz befasst sind, einzuladen, die Idee vorzustellen und die Plattform für die Darstellung und die Ausstellung der Arbeiten "rund ums Holz" zu schaffen.

Eine wichtige und aktive Rolle spielte dabei von Anfang an das zuständige Forstamt in Simmern sowie "unser" Revierförster.
Schon die erste Holzkerb, im Jahre 1996, hat alle Erwartungen übertroffen.
Obwohl niemand die Besucher gezählt hat, war man sich einig, dass es einige Tausende gewesen sein müssen.
Das Dorf wurde regelrecht überrascht von der Anzahl der Gäste.
Parkplätze gab es fast keine mehr. Überall standen die Pkw der Besucher. Der Andrang nahm in den Folgejahren jeweils noch zu.
Die Eröffnung der ersten Holzkerb erfolgte durch den Vertreter des Forstministeriums, Staatsekretär Roland Härtel, der als fachlich Verantwortlicher geradezu begeistert war von dem was er in Ellern bei seinem Rundgang sah.
Auch in den folgenden Jahren gab es jeweils großes Lob von der politischen Prominenz, die zur Eröffnung der Holzkerb angereist war.
Innenminister, Walter Zuber, sprach 1997, bei der Eröffnung der 2. Holzkerb bereits von einer "Tradition", die man erhalten solle, wenn man etwas 3 mal mit Erfolg durchführt. Diese Tradition haben wir geschafft!
Kam zur Eröffnung immer auswärtige Prominenz, blieb und bleibt es der Ellener Jugend vorbehalten diese Holzkerb letztendlich zu eröffnen. Die Kirmes gehört, vor allem, dem Nachwuchs.
Sie soll sie erhalten und weiter tragen. Also hat sie auch das letzte Wort.
In den letzten Jahren gab es ungezählte erwähnenswerte Dinge über die Holzkerb zu berichten. Das Fernsehen war da, das Radio ebenso. Die Presse hat darüber berichtet, regional und überregional. Es gab Angebote von Gewerbetreibenden und privaten Holzkünstlern, Wettbewerbe, Strassentheater, Blasmusik, Essen und Trinken, Geselligkeit und Unterhaltung und alles, was zu einer ordentlichen Kirmes gehört.
Der Wettergott hat auch immer mitgespielt, sodass sich meist mehr auf der Strasse als in der Halle oder dem eigens aufgestellten Zelt abgespielt hat.
Ohne irgend jemanden zurückstellen zu wollen verdienen es 2 Aktive der ersten Stunden besonders erwähnt zu werden:
Zum einen ist dies der Forstwirtschaftsmeister des Forstamtes Simmern, Uli Herbstreuter.
Er hat es geschafft mit seinen Skulpturen der Holzkerb seinen Stempel aufzudrücken. Wenn es in Ellern und zunehmend auch darüber hinaus, nur noch wenige Haushalte ohne Holzpilze, Holzschweinchen, Holzvögel, Holzbären, Holzbänke, -tische, usw. gibt, so ist dies nicht zuletzt auf dessen wirken zurück zu führen.
Natürlich gibt es mittlerweile eine ganze Menge hervorragender Nachahmer, die ihrerseits die schönsten Holzprodukte herstellen.

Der zweite Aktive, der erwähnt werden muss, ist der Rentner Hajo Erbsmehl.
Von Anfang an ist es ihm gelungen mit seinen eigenwilligen Skulpturen nicht nur das Interesse der Zuschauer zu gewinnen, er hat auch manche Nachdenklichkeit erzeugt. Unvergessen sind die von ihm in Holz gehauenen bisherigen 5 rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten anlässlich des 50. Geburtstages unseres Landes im Jahre 1997. Diese Arbeit zog nicht nur das Fernsehen an, über diese Arbeit wurde in großen Zeitungen überregional berichtet.
Zuletzt wurden diese Bilder landesweit ausgestellt. Der Höhepunkt war eine Ausstellung vor dem Landtag in Mainz, die viel Aufmerksamkeit auf sich zog.