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Wir spielten in Afrika Theater

-studio 61- theatergruppe




A f r i k a - T o u r n e e
der Theatergruppe -studio 61-

22 Tage unterwegs in Namibia
vom 15. März bis 5. April per Bus von Windhoek über Swakopmund
nach Otjiwarongo und Grootfontein

mit Aufführungen in
Windhoek (17.3. und 4.4.)
Swakopmund (19. & 20.3.)
Otjiwarongo (21. & 22.3.)
Grootfontein (27.3.)
Engelhardfarm b/Kalkfeld (28.3.)

vor insgesamt rund 500 Zuschauern. Das Team bestand aus folgenden Personen:

Arno Lang, Regisseur und Reiseleiter, Rheinböllen, -studio 61-
Felix Raaff, Techniker und Inspizient, Rheinböllen, -studio 61-
Ingrid Isermann, Rheinböllen, -studio 61-
Doris Gawe, Rheinböllen, -studio 61-
Birgit Herrmann, Rheinböllen, -studio 61-
Rizza Reiche, Rheinböllen, -studio 61-
Brigitte Hellermann, Bad Kreuznach, -studio 61-
Reinhard Mosmann, Dickenschied, Theatergruppe "Dumnissus 20", Kirchberg
Norbert Hipp, Rheinböllen, -studio 61-
Paul Dieter May, Schöneberg, eigene Theatergruppe
Bernd Johann, Rheinböllen, -studio 61-
Thorsten Wetzlar, Rheinböllen, -studio 61-
Gerhard Rehn, Stromberg, -studio 61-

Alle Leute sind in erster Funktion als SpielerInnen aufgetreten und haben zusätzlich weitere Funktionen (Soufflieren, Bühne, Requisiten, usw.) übernommen.

Die Tournee beinhaltete einen dreitägigen Aufenthalt im Etosha Nationalpark und einen fünftägigen "Zwischenurlaub" im südlichen Teil des Landes, am Rande der Kalahari-Wüste.

Eine geplante Aufführung in Windhoek (FRAU PILATUS) mußte ausfallen, da der gebuchte Flug SW 663 mit Air Namibia erst mit einer 28-stündigen Verspätung von Frankfurt abging und ein ungewollter Zwischenaufenthalt in einem Hotel in Speyer notwendig war. Freitags morgens, am 15. März, sollten wir ankommen in Afrika, aber da wir aus im Nachhinein wohl verstandenen Sicherheitsgründen über ein Hotel in Speyer nach Windhoek fliegen mußten, war"s Samstagmittag, als wir endlich, todmüde am Ziel waren. Am Flughafen standen unser Freund Freddy Frewer, Chefsprecher beim Deutschen Hörfunk des Namibischen Rundfunks (NBC) und Schauspieler von Beruf und unser Bus mit Fahrer Don "Camillo" Kondermann. Der Bus trug die Aufschrift "Deutsche Schulen Swakopmund", war blau und weiß, sauber und ordentlich und nicht mehr der jüngste.

Nach sechs Monaten Proben, harter Arbeit und Entbehrungen waren wir endlich in Namibia!

Morgens hätten Proben sein sollen und abends unser erster Auftritt in der Deutschen Höheren Privatschule mit FRAU PILATUS - wenn wir rechtzeitig da gewesen wären. Aber Freddy hatte die Aufführung über Rundfunk schon abgesagt - im ganzen Land. Und das war gut so: nach 28 Stunden Verspätung und fast ohne Schlaf wäre nicht viel Ansehenswertes aus unserer Aufführung geworden. Erster Abend in Namibia: wir treffen uns mit Freddy und Carola in einer sehr hübschen, deutsch geführten Gaststätte und machen Pläne, versuchen unser Hiersein zu verdauen


Am nächsten Morgen (17.3.) Ausgang in der Hauptstadt Windhoek und für das Bühnenteam viel Arbeit auf der Profibühne unseres Mitveranstalters "NTN", des namibischen Nationaltheaters. Intendant Leon Beukes hatte gut vorgesorgt, aber die Kleinrequisiten mußten erst mal beschafft werden. Mittags Probe. Chaotisch! Dann unsere erste Aufführung in Afrika. Alles lief wie am Schnürchen. Im Saal waren 129 Zuschauer; für Windhoek und seine Deutschsprachigen eine ausgesprochen gute Zahl! Der Frust des verzögerten Fluges, die Müdigkeit, die schlechte Probe - - alles explodierte in einer guten Aufführung. Das (einzige) "Großstadt"publikum (in Namibia) ging fröhlich mit bei unserem heiteren Programm. LORIOT ist auch hier kein Unbekannter. Der Erfolg wird "deutsch-namibisch" gefeiert, im Lokal "Beim Wirt", einem Österreicher.

Am nächsten Tag (18.3.) geht"s über Karibib durch die Wüste nach Swakopmund. Immer wieder Staunen, daß hier links und rechts der guten Teerstraße offenbar noch Farmen sind; was fressen die Tiere hier ? Wir sehen nur Steine und Sand . . .

Ankunft in Swakopmund, der "deutschesten Stadt außerhalb deutscher Grenzen", bei Sohn Detlef
und seiner erst vor einem Monat durch Zwillinge vergrößerten Familie. Alle Fotoapparate der Gruppe fotografieren den Großvater mit seinen "Afro-Enkeln" im Arm, etwas hilflos rumstehend. Frau Erlank, Leiterin der Swakopmunder Kunstvereinigung und unser Gastgeber, vergibt die Quartiere. Abends Treffen im neuen Lokal "Frontiers" und dann namibisch-früh in die Betten; um 22.00 Uhr geht man in Namibia schlafen, - die meisten, meistens . . .

Nächster Tag (19.3.) Stadtbummel und für die Bühnenleute erneut Aufbau, Requisiten und Möbel beschaffen. Mittags Kurzprobe für "Frau Pilatus". Abends Aufführung des heiteren Programmes, MUTTERS KLAVIER UND ANDERE SPIELWAREN, die wieder ausgezeichnet läuft. Man nimmt allerdings die Stücke hier etwas anders auf; Swakopmund ist das Rentnerstädtchen des Landes. Vorwiegend ältere Leute sind unser Publikum, worauf wir uns schon eingestellt und das Programm abgestimmt hatten. Nach der Aufführung Empfang durch die Swakopmunder Gruppe im "Theater", dem deutschen Schülerheim. Geschenke. Wir bringen eine Videofassung des großen Filmes HEIMAT mit, der in unserer Gegend gedreht wurde und in dem 17 Leute unserer Gruppe, ja sogar drei unseres Teams mitgewirkt haben.

Nächster Tag. 20. März. Eine Fahrt nach Walfischbucht (Walvis Bay), an der Lagune mit zigtausenden von Seevögeln und dann in die Wüste und zur sogn. "Düne 7". Wir bekommen so ein bißchen "Gefühl für Afrika", oder das, was wir dafür halten. So sieht's wohl in der Sahara aus? Abends spielen wir FRAU PILATUS, das hier besonders gut ankommt; der frühere Missionar, Dr. Werner Wienecke, ein Freund, und der frühere Kultur- & Pressereferent der Deutschen Botschaft, Dr. Hinrich Thoelken, sind in der Vorstellung. Letzterer feiert mit uns im "Swakopmunder Brauhaus" bis in die späte Nacht.

Unsere Tour geht weiter. Nach langem Abschied (21.3.) am Swakopmunder "Martin Luther" fahren wir über Karibib nach Omaruru, wo im "Hotel Staebe" bei Frau Wagner Mittagessen bestellt war. Am Spätnachmittag kommen wir bei unserer Partnergruppe DIE PAMPEL MUSEN in Otjiwarongo an, bei Hanna und Jens Adam im Garten. Private Unterkünfte und Empfangsabend in der Deutschen Schule, wo zwei von uns sich von 1994 noch auskennen. Auf der Bühne spielen wir im Laufe des Abends verschiedene unserer Kurzstücke.

Am folgenden Tag (22.3.) ist Ruhe angesagt. Einige besuchen die Krokodilfarm. Die Bühne wird eingerichtet. Mittagessen auf "Otjibamba Lodge", wo es neben Straußen auch Löwen zu sehen gibt. Heute sparen wir uns die Probe; wir sind unserer Sache sicher, nicht so sehr aber, daß auch genügend Publikum da sein wird. Jetzt haben wir nämlich mit den "Feiertagsschwierigkeiten" zu tun: gestern, Donnerstag, war Unabhängigkeitstag, und da ist freitags schulfrei, was von vielen zu einem verlängerten Wochenendausflug genutzt wird. Aber dann kommen sie doch, die Leute. Aus dem 68 km entfernten Nachbarort Kalkfeld ist sogar ein Bus gekommen. Man hat eben nur selten deutsches Theater hier, und die Entfernungen zum nächsten Ort sind auch viel größer als bei uns.

Eine sehr gute Aufführung von FRAU PILATUS geht über die Bühne der Deutschen Schule in Otjiwarongo; lang anhaltender Beifall kommt erst Sekunden nach dem letzten Vorhang auf, - die Leute sind ergriffen. 87 Zuschauer, für die Umstände eine gute Zahl. Einige hätten auch gerne unser heiteres Programm gesehen; gut, daß wir gestern abend wenigstens einen Teil davon gezeigt haben. Abschluß war im "Hamburger Hof", wo uns der Manager noch nach der in Namibia üblichen Zeit etwas zu essen gestiftet hatte, um mit unserer Partnergruppe einen schönen Abend im Foyer und teils an der Bar zu haben.

Am nächsten Tag (23.3.), Samstag, fahren wir in den Etosha Nationalpark. Unterwegs Mittagessen im "Onduri-Hotel", im "nur" 73 km entfernten Nachbarort Outjo. Wir versuchen immer möglichst Landestypisches zu essen, und heute gibt"s Oryx-Antilope. In Windhoek hatten wir bereits den landestypischen "Rock-Shandy" kennengelernt. Gegen 16.30 Uhr fahren wir in den Etoshapark ein. Es wimmelt gleich von Zebras, noch bevor wir bei der staatlichen Verwaltung unsere vorbestellten Quartiere bekommen. Und eine schöne Bar für kühles Winhukbier und Rock Shandy ist auch gleich nebenan. Vor Abend noch die erste Ausfahrt in den Park an die Wasserlöcher. Wir sehen eine Menge exotischer Tiere, auch Oryx-Antilopen, die so wunderschön sind, daß uns unser Mittagsmahl leid tat. Und dann der Abend in Okaukuejo, so heißt das Camp hier, an der beleuchteten Wasserstelle! Elefanten, Elefanten, Elefanten und das in allen Größen und Altersgruppen; ganz kleine, die sich noch zwischen den Vorderbeinen der Mütter in Schutz bringen, "Jugendliche", junge, ungestüme "Herren" und alte Bullen. Und zwei Nashörner mit einem Kalb! Als eines der Nashörner die Elefantendame stört, gibt"s ein wildes Trompeten. Und Menschen aus aller Welt sitzen oder stehen am Rande der Wasserstelle, flüstern sich zu, wenn neue Tiere kommen, Menschen aus Australien, Amerika und allen möglichen Ländern Europas treffen sich hier im gemeinsamen Erleben der Natur, - eine atemberaubend schöne Szenerie! Und wir dürfen auch dabei sein . . .
Sonntag (24.3.) fahren wir durch den Park zum Camp Halali, sehen viele Tiere, jetzt auch die wunderschönen Giraffen, proben unterwegs unsere Theaterszenen, mehr aus Spaß an der Sache, denn wegen der Notwendigkeit, baden im schönen Schwimmbad und sehen abends hier so viele Elefanten, daß einem schwindelig werden konnte. Am Montag (25.3.) geht"s weiter nach Osten zum Camp Namutoni, einer alten deutschen Burgfeste aus der Kolonialzeit. Unterwegs gibt"s wieder Tiere, Tiere und nochmal Tiere zu sehen und die eigentliche Etoshapfanne, ein riesiges, meist trockenes Becken, über dem immer wieder Luftspiegelungen große Wasser vortäuschen. Aber es ist trocken in Namibia, sehr trocken - auch dies" Jahr wieder . . .

Am nächsten Tag (26.3.) nehmen wir Abschied vom Etosha Nationalpark, nachdem wir mit einer Mitspielerin ihren ersten 60. Geburtstag in Afrika begangen haben, fahren kurz zum Otjikoto See und weiter nach Tsumeb, der alten Minenstadt, wo wir Mittagspause machen, um dann zu unserem nächsten Aufführungsort, Grootfontein, zu fahren. Die Stadt, - die meisten Städte sind hier nicht größer als bei uns ein großes Dorf – liegt im einzigen Ackerbaugebiet des Landes, wo es vor allem Mais gibt. Aber auch hier Zeichen der Dürre. Wir sind im Deutschen Schulheim verabredet und werden privat untergebracht, auch auf Farmen, 10 km weit außerhalb; da kann man ohne Auto nicht gerade mal in die Stadt . . .

Superstimmung hinter der Bühne am Mittwoch, dem 27. März, im afrikaansen Schulheim, in Grootfontein, wohin die Elternschaft der deutschen Schule uns mangels eigener Räumlichkeiten zum Spielen ausquartiert hat. Wir spielen gleich MUTTERS KLAVIER UND ANDERE SPIELWAREN, das man sich hier gewünscht hatte, - vorläufig zum letzten Mal in Namibia. Der Tag war für einige von uns ziemlich strapaziös gewesen, weil wir viel Arbeit mit Bühne, Möbeln und Requisiten hatten und in einigen Fällen zu weit vom Ort des Geschehens untergebracht waren. Die Grootfonteiner hatten entschieden, keine Plakate auszuhängen und unsere Aufführung außer durch die Zeitung nur unter sich bekannt zu machen und nur eine sogn. "Silberkollekte" einzusammeln. Wir hatten etwa 80 Zuschauer, auch von Otavi waren Leute gekommen und von Tsumeb (vielleicht wären es bei ein bißchen mehr Werbung auch ein paar mehr gewesen). Aber "hier oben" gibt es nicht so viele Deutschstämmige, wie in der Gegend um Otjiwarongo. Und unsere Aufführung war so gut, wie kaum jemals vorher, was vom Publikum sehr honoriert wurde. Im Anschluß gab"s einen Empfang im Deutschen Schülerheim und Übergabe der Gastgeschenke, HEIMAT unter anderem.

Am nächsten Tag, 28. März, waren wir auf der Farm der Engelhards, Verwandten einer Mitspielerin, eingeladen. Die Fahrt geht von Grootfontein nach Otavi, wo wir erst mal ein anderes Mitglied des Teams abholen, das über Nacht bei seinen Verwandten auf der Farm war. Station in Otjiwarongo und dann nach Kalkfeld. Einige Kilometer davon gab"s dann Gelegenheit, eine echte südwester Farm kennenzulernen. Farmrundfahrt, Gastfreundschaft, Essen und Trinken vom Feinsten. Frau Engelhard bemuttert uns, wie"s nur eine Farmersfrau kann, und abends spielen wir für unsere Gastgeber LORIOT-Szenen im großen Wohnzimmer mit Veranda. Vielleicht war das unser "namibia-typischstes" Erlebnis . . .

Nach einer Nacht auf der Farm geht"s (29.3.) am Mount Etjo vorbei, mit kurzer Mittagspause im "Thüringer Hof" und Blitzbesuch im Nationaltheater in Windhoek nach Süden. Unsere größte Tagesstrecke, über 600 km, zur Gästefarm "Anib", bei Mariental, am Rande der Kalahari-Wüste. Unser Kurzurlaub, den wir eingeplant und vorgebucht hatten, beginnt. Unser Bus macht 90 km/h Spitze auf bester Teerstraße. Draußen sind"s etwa 35° im Schatten. "Don Camillo", unser Busfahrer, erzählt uns in aller Ruhe irgendwo auf der Strecke, daß die Farmer, bei denen wir gebucht hatten, die Gästefarm aufgegeben hätten. Waren wir bei den neuen Leuten angemeldet " Todmüde kommen wir am Farmtor an, - - da kommt Frau Schenck strahlend und fröhlich auf uns zu und heißt uns herzlich willkommen! Geschafft. Wir sitzen unter Palmen, um uns die Wüste, an einem Tisch auf grünem Rasen und haben kühle Getränke vor uns. Gibt's was Schöneres?

Zwei Tage auf Anib vergehen wie im Fluge. Wir ruhen aus, - nicht vom Theaterspielen, sondern vom Busfahren!, - unternehmen eine Tour in die Kalahari, die ihren ganz eigenen Reiz hat mit ihren wellenförmigen Dünen und Tälern, baden im Schwimmbad, essen gut und trinken an der Hausbar, oder vor unseren kleinen Zweibetträumen. Telefonate nach Hause ergeben, daß eine geschlossene Schneedecke auf dem Hunsrück liegt, am 30. März. Am 31. Machen einige von uns eine Tagesreise von 15 Stunden in den Namib Naukluft Park, zum "Sossusvlei", einer alle 10 Jahre mal von wenig Wasser bedeckten kleinen Senke, die von den höchsten Dünen der Welt umgeben ist. Wir fahren durch den gebirgigen Süden, eine traumhafte Landschaft, die vergessen läßt, wie unerbittlich unwirtlich sie ist in der Hitze des Tages und der Kühle der Nacht. Man denkt unwillkürlich an den Mond, - wenn da nicht bei genauerem Hinsehen hundertfaches Leben wäre. Wandern durch die Wüste Namib, über die Dünen und durch das "Todesvlei", in dem eine deutsche Autofirma noch vor kurzem Werbefilme gedreht hat. Daß wir mitten in der ältesten Wüste der Welt eine Regenschauer miterleben durften, haben wir vielen Namibiern voraus; nur an der allgemeinen Trockenheit änderte das nichts . . . Im Anschluß Besuch des imposanten "Sesriem Canyon".

Über Sand- & Schotterstraßen fahren wir am 1. April weiter nach Süden. Schloß "Duwisib", ein deutsches Schloß mit allem Drum und Dran und komplett eingerichtet, mitten in der Wüste. Spleen kolonialistischer Vorfahren. Nachmittags treffen wir nach einer Fahrt durch traumhaft schönes Gebirgsland bei Frau Hoffmann auf der "Sinclair"-Gästefarm ein; nicht so komfortabel wie "Anib", aber herzlich, familiär und mit wunderbarem Essen. Unser Leiter ist schon zum dritten Mal hier und kennt sich aus, aber so trocken hat er"s noch nicht erlebt. Seit 7 Jahren herrscht hier Dürre; eben werden die letzten 30 Rinder verkauft, die auf 123 qkm nichts mehr zu fressen finden. Spaziergänge und Farmrundfahrten mit einem atemberaubenden Blick in die Namib, gute Gespräche am großen Tisch und beim abendlichen "Braaivleis" (Grillfest).

Wir müssen zurück nach Windhuk (3.4.), sollen morgen abend dort beim Deutschen Botschafter spielen. Es wird wieder eine lange heiße Fahrt über Maltahöhe, Mariental, und wir sind nachmittags in der "Pension CELA", wo die meisten von uns schon am ersten Tag in Namibia gewohnt hatten. Rein ins Schwimmbad und dann ein bißchen ausruhen. Regisseur und Techniker fahren mit Freddy Frewer zur Privatresidenz des Botschafters, besprechen mit Frau Schumacher die Möglichkeiten für den Auftritt morgen, legen die spielbaren Szenen fest und treffen die Arrangements. Abend-/Nachtessen eines Teiles der Gruppe im Restaurant " Marco Polo"; die anderen sind im " La Cave", wo es auch Krokodil gibt, was aber letztlich doch keiner ißt.

Vorletzter Tag (4.4.) in Windhoek, in Namibia, - überhaupt in Afrika. Stadtbummel, Geschenke, Mitbringsel, und morgen sind die Geschäfte geschlossen, weil Karfreitag ist. Abends zur Residenz von Dr. Schumacher; die Stimmung ist gereizt, wir fürchten diplomatische Steifheit, Lampenfieber, geladene Gäste, Umkleideraum im großen Wohnzimmer der Schumachers, wir sollen auf der Terrasse spielen. Herrlicher Blick von dort auf Klein-Windhoek und im Hintergrund Katutura bei Nacht. Der Botschafter hält eine kleine Rede, der Regisseur schließt sich an, erzählt von -Studio 61- und woher wir kommen und wie wir "an Namibia geraten" sind. Gastgeschenke, wobei HEIMAT hier besonders gut ankommt. Auftakt mit der JODELSCHULE, der deutsche Botschafter in Namibia und Freddy Frewer bei den "Jodelschülern"! Ansagen zwischen den Stücken, DAS EI, AUFBRUCH, EHEBERATUNG, dann SKAT, was hier besonders gut ankommt, SPIELWAREN, DER WÄHLER FRAGT, und die Zuschauer wollen eine Zugabe: DER LOTTOGEWINNER. Wenn wir gewußt hätten, wie interessiert die Leute an "Herren im Bad" waren, hätten wir"s möglich gemacht; aber unsere Badewannenattrappe hatten wir in Grootfontein stehengelassen.

Das Lampenfieber hatte sich in einer ausgezeichneten Aufführung entladen. Die Botschaftsgäste waren begeistert. Der anschließende Empfang mit südafrikanischem Wein war eine wunderbare, gelöste Sache, bei der wir gute Kontakte knüpften - und Deutsch-Namibier aus Herschwiesen, 30 km von unserem Wohnort trafen! Die Welt ist klein.

Gegen 22.30 Uhr hatten wir noch nicht genug, schließlich war"s unser letzter Abend in Afrika. So ging"s zum "Wirt", wo - außergewöhnlich für Windhoek und ganz Namibia - heute abend ein Alleinunterhalter eine hervorragende Tanzmusik machte. Es wurde ein Super-Abschluß unserer Tournee! Da war die Stimmung, die wir brauchten, und als man uns gegen 02.00 Uhr, - eine "Unzeit" für Namibier! - mehr oder weniger nahelegte, Schluß zu machen, hatten wir unsere Amateurtheatertournee durch Namibia auf fröhlich-harmonische und kameradschaftliche Weise beendet.

Am letzten Tag war nicht nur wegen des Feiertages Ruhe angesagt, denn abends ging unser Flug. Wir verbrachten einen gemütlichen Ruhetag im großen schönen Garten mit Schwimmbad der Familie Frewer, die uns auch zum Flughafen brachten, wo wir - diesmal absolut pünktlich - zurück nach Frankfurt starteten. Einige wären gern noch geblieben, einige werden auch wiederkommen . . .

Arno Lang
Regie und Reiseleitung