Wir spielten in Afrika Theater -studio 61- theatergruppe
Alle Leute sind in erster Funktion als SpielerInnen aufgetreten und haben zusätzlich weitere Funktionen (Soufflieren, Bühne, Requisiten, usw.) übernommen.
Am nächsten Morgen (17.3.) Ausgang in der Hauptstadt Windhoek und für das Bühnenteam viel Arbeit auf der Profibühne unseres Mitveranstalters "NTN", des namibischen Nationaltheaters. Intendant Leon Beukes hatte gut vorgesorgt, aber die Kleinrequisiten mußten erst mal beschafft werden. Mittags Probe. Chaotisch! Dann unsere erste Aufführung in Afrika. Alles lief wie am Schnürchen. Im Saal waren 129 Zuschauer; für Windhoek und seine Deutschsprachigen eine ausgesprochen gute Zahl! Der Frust des verzögerten Fluges, die Müdigkeit, die schlechte Probe - - alles explodierte in einer guten Aufführung. Das (einzige) "Großstadt"publikum (in Namibia) ging fröhlich mit bei unserem heiteren Programm. LORIOT ist auch hier kein Unbekannter. Der Erfolg wird "deutsch-namibisch" gefeiert, im Lokal "Beim Wirt", einem Österreicher. Nächster Tag (19.3.) Stadtbummel und für die Bühnenleute erneut Aufbau, Requisiten und Möbel beschaffen. Mittags Kurzprobe für "Frau Pilatus". Abends Aufführung des heiteren Programmes, MUTTERS KLAVIER UND ANDERE SPIELWAREN, die wieder ausgezeichnet läuft. Man nimmt allerdings die Stücke hier etwas anders auf; Swakopmund ist das Rentnerstädtchen des Landes. Vorwiegend ältere Leute sind unser Publikum, worauf wir uns schon eingestellt und das Programm abgestimmt hatten. Nach der Aufführung Empfang durch die Swakopmunder Gruppe im "Theater", dem deutschen Schülerheim. Geschenke. Wir bringen eine Videofassung des großen Filmes HEIMAT mit, der in unserer Gegend gedreht wurde und in dem 17 Leute unserer Gruppe, ja sogar drei unseres Teams mitgewirkt haben.
Nächster Tag. 20. März. Eine Fahrt nach Walfischbucht (Walvis Bay), an der Lagune mit zigtausenden von Seevögeln und dann in die Wüste und zur sogn. "Düne 7". Wir bekommen so ein bißchen "Gefühl für Afrika", oder das, was wir dafür halten. So sieht's wohl in der Sahara aus? Abends spielen wir FRAU PILATUS, das hier besonders gut ankommt; der frühere Missionar, Dr. Werner Wienecke, ein Freund, und der frühere Kultur- & Pressereferent der Deutschen Botschaft, Dr. Hinrich Thoelken, sind in der Vorstellung. Letzterer feiert mit uns im "Swakopmunder Brauhaus" bis in die späte Nacht.
Am folgenden Tag (22.3.) ist Ruhe angesagt. Einige besuchen die Krokodilfarm. Die Bühne wird eingerichtet. Mittagessen auf "Otjibamba Lodge", wo es neben Straußen auch Löwen zu sehen gibt. Heute sparen wir uns die Probe; wir sind unserer Sache sicher, nicht so sehr aber, daß auch genügend Publikum da sein wird. Jetzt haben wir nämlich mit den "Feiertagsschwierigkeiten" zu tun: gestern, Donnerstag, war Unabhängigkeitstag, und da ist freitags schulfrei, was von vielen zu einem verlängerten Wochenendausflug genutzt wird. Aber dann kommen sie doch, die Leute. Aus dem 68 km entfernten Nachbarort Kalkfeld ist sogar ein Bus gekommen. Man hat eben nur selten deutsches Theater hier, und die Entfernungen zum nächsten Ort sind auch viel größer als bei uns.
Am nächsten Tag (23.3.), Samstag, fahren wir in den Etosha Nationalpark. Unterwegs Mittagessen im "Onduri-Hotel", im "nur" 73 km entfernten Nachbarort Outjo. Wir versuchen immer möglichst Landestypisches zu essen, und heute gibt"s Oryx-Antilope. In Windhoek hatten wir bereits den landestypischen "Rock-Shandy" kennengelernt. Gegen 16.30 Uhr fahren wir in den Etoshapark ein. Es wimmelt gleich von Zebras, noch bevor wir bei der staatlichen Verwaltung unsere vorbestellten Quartiere bekommen. Und eine schöne Bar für kühles Winhukbier und Rock Shandy ist auch gleich nebenan. Vor Abend noch die erste Ausfahrt in den Park an die Wasserlöcher. Wir sehen eine Menge exotischer Tiere, auch Oryx-Antilopen, die so wunderschön sind, daß uns unser Mittagsmahl leid tat. Und dann der Abend in Okaukuejo, so heißt das Camp hier, an der beleuchteten Wasserstelle! Elefanten, Elefanten, Elefanten und das in allen Größen und Altersgruppen; ganz kleine, die sich noch zwischen den Vorderbeinen der Mütter in Schutz bringen, "Jugendliche", junge, ungestüme "Herren" und alte Bullen. Und zwei Nashörner mit einem Kalb! Als eines der Nashörner die Elefantendame stört, gibt"s ein wildes Trompeten. Und Menschen aus aller Welt sitzen oder stehen am Rande der Wasserstelle, flüstern sich zu, wenn neue Tiere kommen, Menschen aus Australien, Amerika und allen möglichen Ländern Europas treffen sich hier im gemeinsamen Erleben der Natur, - eine atemberaubend schöne Szenerie! Und wir dürfen auch dabei sein . . . Am nächsten Tag (26.3.) nehmen wir Abschied vom Etosha Nationalpark, nachdem wir mit einer Mitspielerin ihren ersten 60. Geburtstag in Afrika begangen haben, fahren kurz zum Otjikoto See und weiter nach Tsumeb, der alten Minenstadt, wo wir Mittagspause machen, um dann zu unserem nächsten Aufführungsort, Grootfontein, zu fahren. Die Stadt, - die meisten Städte sind hier nicht größer als bei uns ein großes Dorf liegt im einzigen Ackerbaugebiet des Landes, wo es vor allem Mais gibt. Aber auch hier Zeichen der Dürre. Wir sind im Deutschen Schulheim verabredet und werden privat untergebracht, auch auf Farmen, 10 km weit außerhalb; da kann man ohne Auto nicht gerade mal in die Stadt . . .
Superstimmung hinter der Bühne am Mittwoch, dem 27. März, im afrikaansen Schulheim, in Grootfontein, wohin die Elternschaft der deutschen Schule uns mangels eigener Räumlichkeiten zum Spielen ausquartiert hat. Wir spielen gleich MUTTERS KLAVIER UND ANDERE SPIELWAREN, das man sich hier gewünscht hatte, - vorläufig zum letzten Mal in Namibia. Der Tag war für einige von uns ziemlich strapaziös gewesen, weil wir viel Arbeit mit Bühne, Möbeln und Requisiten hatten und in einigen Fällen zu weit vom Ort des Geschehens untergebracht waren. Die Grootfonteiner hatten entschieden, keine Plakate auszuhängen und unsere Aufführung außer durch die Zeitung nur unter sich bekannt zu machen und nur eine sogn. "Silberkollekte" einzusammeln. Wir hatten etwa 80 Zuschauer, auch von Otavi waren Leute gekommen und von Tsumeb (vielleicht wären es bei ein bißchen mehr Werbung auch ein paar mehr gewesen). Aber "hier oben" gibt es nicht so viele Deutschstämmige, wie in der Gegend um Otjiwarongo. Und unsere Aufführung war so gut, wie kaum jemals vorher, was vom Publikum sehr honoriert wurde. Im Anschluß gab"s einen Empfang im Deutschen Schülerheim und Übergabe der Gastgeschenke, HEIMAT unter anderem.
Am nächsten Tag, 28. März, waren wir auf der Farm der Engelhards, Verwandten einer Mitspielerin, eingeladen. Die Fahrt geht von Grootfontein nach Otavi, wo wir erst mal ein anderes Mitglied des Teams abholen, das über Nacht bei seinen Verwandten auf der Farm war. Station in Otjiwarongo und dann nach Kalkfeld. Einige Kilometer davon gab"s dann Gelegenheit, eine echte südwester Farm kennenzulernen. Farmrundfahrt, Gastfreundschaft, Essen und Trinken vom Feinsten. Frau Engelhard bemuttert uns, wie"s nur eine Farmersfrau kann, und abends spielen wir für unsere Gastgeber LORIOT-Szenen im großen Wohnzimmer mit Veranda. Vielleicht war das unser "namibia-typischstes" Erlebnis . . .
Zwei Tage auf Anib vergehen wie im Fluge. Wir ruhen aus, - nicht vom Theaterspielen, sondern vom Busfahren!, - unternehmen eine Tour in die Kalahari, die ihren ganz eigenen Reiz hat mit ihren wellenförmigen Dünen und Tälern, baden im Schwimmbad, essen gut und trinken an der Hausbar, oder vor unseren kleinen Zweibetträumen. Telefonate nach Hause ergeben, daß eine geschlossene Schneedecke auf dem Hunsrück liegt, am 30. März. Am 31. Machen einige von uns eine Tagesreise von 15 Stunden in den Namib Naukluft Park, zum "Sossusvlei", einer alle 10 Jahre mal von wenig Wasser bedeckten kleinen Senke, die von den höchsten Dünen der Welt umgeben ist. Wir fahren durch den gebirgigen Süden, eine traumhafte Landschaft, die vergessen läßt, wie unerbittlich unwirtlich sie ist in der Hitze des Tages und der Kühle der Nacht. Man denkt unwillkürlich an den Mond, - wenn da nicht bei genauerem Hinsehen hundertfaches Leben wäre. Wandern durch die Wüste Namib, über die Dünen und durch das "Todesvlei", in dem eine deutsche Autofirma noch vor kurzem Werbefilme gedreht hat. Daß wir mitten in der ältesten Wüste der Welt eine Regenschauer miterleben durften, haben wir vielen Namibiern voraus; nur an der allgemeinen Trockenheit änderte das nichts . . . Im Anschluß Besuch des imposanten "Sesriem Canyon".
Vorletzter Tag (4.4.) in Windhoek, in Namibia, - überhaupt in Afrika. Stadtbummel, Geschenke, Mitbringsel, und morgen sind die Geschäfte geschlossen, weil Karfreitag ist. Abends zur Residenz von Dr. Schumacher; die Stimmung ist gereizt, wir fürchten diplomatische Steifheit, Lampenfieber, geladene Gäste, Umkleideraum im großen Wohnzimmer der Schumachers, wir sollen auf der Terrasse spielen. Herrlicher Blick von dort auf Klein-Windhoek und im Hintergrund Katutura bei Nacht. Der Botschafter hält eine kleine Rede, der Regisseur schließt sich an, erzählt von -Studio 61- und woher wir kommen und wie wir "an Namibia geraten" sind. Gastgeschenke, wobei HEIMAT hier besonders gut ankommt. Auftakt mit der JODELSCHULE, der deutsche Botschafter in Namibia und Freddy Frewer bei den "Jodelschülern"! Ansagen zwischen den Stücken, DAS EI, AUFBRUCH, EHEBERATUNG, dann SKAT, was hier besonders gut ankommt, SPIELWAREN, DER WÄHLER FRAGT, und die Zuschauer wollen eine Zugabe: DER LOTTOGEWINNER. Wenn wir gewußt hätten, wie interessiert die Leute an "Herren im Bad" waren, hätten wir"s möglich gemacht; aber unsere Badewannenattrappe hatten wir in Grootfontein stehengelassen. |